Diese Mutter bezwingt übermächtige Gegner

Abgelehnt? Von wegen! Der mutige Kampf einer Mutter gegen Krankenkassen

Jessica Steitz will das, was alle liebenden Eltern für ihre Kinder wollen: Dass es ihnen gut geht und sie glücklich sind. Doch für die 30-Jährige aus Leipzig hält diese Aufgabe schier unüberwindbare Herausforderungen parat. Töchterchen Milanka-Nicole (5) ist mit einer unheilbaren Erbkrankheit geboren.

Das Leigh-Syndrom äußert sich u.a. durch Muskelschwäche und Entwicklungsverzögerungen. So kann Milanka-Nicole nur kurze Strecken mit ihrem Mini-Rollator laufen und erst wenige Worte sprechen. Doch am meisten belastet Mama Jessica die Angst, dass Milanka-Nicole wahrscheinlich früh sterben wird. Viele betroffene Kinder leben nur wenige Jahre.

Schuld an dem Syndrom ist eine Störung des Stoffwechsels. Aber es gibt ein spezielles Coenzym-Präparat. „Es kann zwar die Erkrankung nicht heilen, aber helfen, die Lebensqualität zu steigern“, erzählt Jessica auf einen Blick. Als sie davon erfährt, setzt sie natürlich alles daran, dass Milanka-Nicole das Nahrungsergänzungsmittel erhält. Sie ahnt nicht, dass daraus ein zwei Jahre andauernder Kampf wird.

Denn die Krankenkasse lehnt zunächst ab. Jessica wird zur Expertin im Thema, widerlegt selbstbewusst Ablehnung um Ablehnung und wendet sich schließlich an den Vorstand der Krankenkasse. Am Ende mit Erfolg. „Seit Milanka das Präparat bekommt, geht es ihr viel besser“, sagt Jessica.

Sich nicht von scheinbar übermächtigen Gegnern und Prüfungen einschüchtern lassen, das hat Jessica früh gelernt. Noch in der Schwangerschaft scheitert die Beziehung zu Milanka-Nicoles Vater. Jessica meistert seitdem alles allein. Jede freie Minute kümmert sie sich liebevoll um ihre Tochter. Trotz der Einschränkungen plant sie Ausflüge für ihre Tochter, damit sie die Welt entdecken kann. Jessica hat zudem ein Therapie-Programm organisiert und selbst eine Pflegebettkonstruktion erdacht, die es ihr ermöglicht, neben Milanka zu schlafen. „Ich will ihr auch nachts Geborgenheit schenken“, sagt Jessica. Eine starke Mama und ein tolles Vorbild für alle, denen Behörden, Kassen und Co. riesige Steine in den Weg legen!

Wie eine Löwin kämpft Christa für ihre Enkelin

Ein Feuer nahm ihr das Zuhause, aber nicht ihre Stärke

Es ist nicht der berühmte Lottogewinn, auch nicht die Weltreise. Wenn Christa Ocepek (67) von der Zukunft träumt, dann wünscht sich die Rentnerin nur eines: endlich Beständigkeit. Keine Prüfungen mehr, kein Leid, keine quälenden Fragen mehr nach dem „Warum?“. Einfach ein Leben, in dem sie ganz in Ruhe für ihre Enkelin Johanna (6) da sein darf.

In den letzten vier Jahren musste die Hamburgerin ihre Mutter, ihren Mann und sogar ihre Tochter zu Grabe tragen. Doch Zeit zu trauern hatte Christa nicht. Während viele andere in ihrem Alter den Ruhestand genießen, fing die Norddeutsche nochmal von vorne an. Sie nimmt ihre kleine Enkelin zu sich (zum Vater besteht erst seit Kurzem wieder Kontakt), erzieht sie, trocknet Tränen, schenkt ihr Mut. Und überwindet dabei schier endlos hohe Hürden.

Denn im März nahm ein Brand Christa und Johanna das Zuhause, den Ort, an dem die Rentnerin und ihre Familie über Jahrzehnte gelebt hatten. „Der Verlust der Mutter war doch schon traumatisch genug für meine Enkelin!“, sagt Christa im Gespräch mit auf einen Blick und in ihren wachen Augen schimmern die Tränen. Die Sorge vor der Zukunft ist unermesslich. In der Wohnung, die ihnen für den Übergang zur Verfügung gestellt wurde, können sie nur bis September bleiben. Die Suche nach einer neuen, bezahlbaren Bleibe, fast unmöglich in einer Stadt wie Hamburg. Erschwerend kommt hinzu, dass Christa ihren Stadtteil Eidelstedt nicht verlassen kann. „Johanna kommt jetzt in die Vorschule, freut sich schon darauf, mit ihren Kindergartenfreunden in einer Klasse zu sein“, so Christa.

Die Großmutter will ihrer Enkelin nicht auch noch das soziale Umfeld nehmen. Deshalb kämpft sie Tag für Tag um eine neue Wohnung, versucht einen der begehrten Besichtigungstermine zu ergattern. Zusätzlich wartet der Papierkram für Versicherungen und Ämter auf sie. „Manchmal ist es zum Verzweifeln“, gesteht Christa. Doch Aufgeben ist keine Option. Löwinnen geben nicht auf.

Dieses mutige Duo stoppte Kinderfänger

Niemand weiß, wie viele Unglücke verhindert werden könnten, wenn wir im Alltag häufiger hinschauen würden, statt wegzusehen. Wieviel Leid jedoch durch Zivilcourage verhindert werden kann, zeigt dieser Fall:

Es ist ein sommerlicher Donnerstagabend auf einem Spielplatz in Berlin-Friedrichshain. Die 27-jährige Heike S. (Name geändert) will sich mit ihrer zweijährigen Tochter auf den Heimweg machen, als sie eine ungeheuerliche Szene beobachtet. Ein groß gewachsener, ungepflegter Mann spricht ein kleines Mädchen in einem dunkelblauen Sommerkleid an, dessen Mutter nur für einen kleinen Moment abgelenkt ist. Dann geht es schnell: Der Mann nimmt das Kind auf die Schultern und läuft los. Nicht auszudenken, was er vorhat: Eine Entführung? Missbrauch? Noch Schlimmeres…?

„Für mich war klar, dass ich hinterher muss“, erinnert sich Heike S. Sie bittet den Kiosk-Verkäufer Zoran Z. (44) um Hilfe, der sich dem über 1,90 Meter großen und alkoholisierten Mann direkt in den Weg stellt. „Er war mein Glück“, erzählt die 27-Jährige erleichtert nach dem Vorfall.

Von Zoran auf die Situation angesprochen, bestätigt der Täter, dass das Mädchen nicht zu ihm gehöre. Auf die Frage, weshalb er die 2-Jährige vom Spielplatz entführt habe, antwortet der Mann: „Ich liebe Kinder.“

Der Kiosk-Verkäufer redet eindringlich auf den Mann ein und bewegt ihn dazu, sich zum Spielplatz führen zu lassen. Dort wartet die völlig aufgelöste Mutter der Kleinen und die von ihr verständigte Polizei.

Der Kinderfänger, stellt sich heraus, ist psychisch krank und der Polizei bekannt. Er wird in Gewahrsam genommen, kommt jedoch noch am selben Abend wieder auf freien Fuß, da, wie es im Behördendeutsch heißt, „keine Anhaltspunkte für eine böse Absicht“ vorliegen. Dazu Zoran Z.: „Ich verstehe das nicht. Warum muss immer erst was passieren, bis jemand weggesperrt wird?“

Gegen den Täter wird nun wegen des Verdachts auf Kindesentzug ermittelt, die Höchststrafe liegt bei fünf Jahren Haft. Zoran leidet seit dem Vorfall unter Schlaflosigkeit. Die Vorstellung, was alles hätte geschehen können, quält ihn: „Ich wache nachts auf, bin schweißgebadet.“ Doch er sagt vor allem auch: „Ich bin froh, dass ich helfen konnte!“

Ich habe meinen Lebensretter geheiratet

Für Menschen, die eine Knochenmarkspende brauchen, ist der passende Spender ein Geschenk des Himmels. Für Selina Läufer (32) aber wurde er gleich zum doppelten Himmels-Geschenk …

Sie war 19, als sie die Schockdiagnose erhielt: Blutkrebs. Nur eine Knochenmarkspende konnte sie heilen. „Ich traute mich kaum, es zu glauben, als ein Spender gefunden wurde“, erzählt sie im Gespräch mit auf einen Blick. Es war Hans-Uwe Läufer (55), der sich bereits in den 90ern bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) hatte registrieren lassen. „Wenn durch so etwas ein Leben gerettet werden kann, ist das doch selbstverständlich.“

Zwei Jahre müssen vergehen, ehe Patient und Spender Daten austauschen und sich kennenlernen können. Für Selina war sofort klar, dass sie ihren Lebensretter kennenlernen wollte. Er jedoch wollte zunächst keinen Kontakt. „Erst ein Jahr, nachdem ich ihm einen Brief geschrieben hatte, meldete er sich auf Facebook“, erzählt Selina: „Ich glaube, ich bin dein Spender“. Ein kurzer Satz, der alles verändern sollte. Denn nicht nur genetisch passten die schwäbische Verwaltungsangestellte und der 23 Jahre ältere Badener Zollbeamte perfekt zueinander. Schon bald telefonierten sie fast täglich. „Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden“, sagt Selina. „Bei einem BossHoss-Konzert in Stuttgart haben wir uns zum ersten Mal getroffen“, so Hans-Uwe. Und was sich am Telefon wie Freundschaft angefühlt hatte, wurde bald mehr.

Anfangs gab es jedoch auch Zweifel. Selina: „Unser Altersunterschied ist schon groß. Und eigentlich wollte Uwe nach schlechten Erfahrungen keine Beziehung mehr.“ Doch das konnte sie nicht trennen: Seit sieben Jahren sind sie ein Paar und seit einem Jahr glücklich verheiratet. Um sich bei Hans-Uwe zu bedanken, ließ Selina ihm in der ZDF-Show „Mein Lied für dich“ Anfang des Jahres von Sarah Connor ein Ständchen bringen: „Ich hätte kein schöneres Geschenk bekommen können, als einen Ehemann und Stammzellspender zugleich!“

DKMS Knochenmarkspende Hochzeit Liebe

Dieses Hilfspaket rettet Eltern in Not

Es ist der Moment, den alle werdenden Eltern fürchten: Wenn der Gynäkologe mit immer ernsterer Mine auf den Ultraschallmonitor starrt und dann einen Satz sagt wie: „Tut mir leid, mit Ihrem Kind stimmt etwas nicht.“

Uschi Ferstl (34) und Dominik Panzer (37) aus Würzburg haben das erlebt. „Mit Pauls Nieren war etwas nicht in Ordnung“, sagt Dominik zu auf einen Blick und erklärt: „Wenn die Nieren des Babys nicht arbeiten, wird kein Fruchtwasser gebildet, und ohne Fruchtwasser kann sich auch die Lunge nicht entwickeln.“ Paul, so die Prognose, würde bei der Geburt sterben. Spätestens. Es wurde dem Paar u.a dazu geraten, die Schwangerschaft sofort zu beenden.

Doch Uschi und Dominik lassen sich nicht so schnell nicht ins Bockshorn jagen. Sie holten sich eine zweite, dritte und vierte Meinung ein und retteten ihrem Sohn dank der von Experten empfohlenen Fruchtwasserauffüllungen im Mutterleib das Leben. Paul feierte gerade seinen dritten Geburtstag. Das aufgeweckte Kleinkind muss zwar seit seiner Geburt an die Dialyse, ist aber sonst ein fröhliches Kind. Der Gedanke, was wäre, hätten sie der ersten Diagnose vertraut, lässt seine Eltern heute noch erschaudern.

Heute hilft das Paar auch deswegen anderen Eltern, die in einer ähnlichen Situation sind. Uschi: „Wir haben uns vor allem geärgert, dass wir nur durch Glück an wichtige Infos gekommen sind.“

Zusammen mit Mitstreitern haben sie den Verein „Bundesverband zur Begleitung von Familien vorgeburtlich erkrankter Kinder“ (www.bfvek.de) gegründet. Dort bekommen betroffene Eltern lebenswichtige Informationen und emotionale Unterstützung, aber auch ganz praktische Hilfe: Ein Mutmachpaket, in dem u.a. Spielzeug ist, das sich gut desinfizieren lässt und deswegen auf die Intensivstation darf – ein Lichtblick für kleine Kämpfer.

Jeremias kämpft für arme Kinder!

Die Eltern langzeitarbeitslos, das Geld immer knapp: Jeremias’ Zukunft schien schwierig. Doch dann zeigte er allen, was in ihm steckt!

Mit elf Jahren traf Jeremias Thiel (19) eine unglaubliche Entscheidung: Er ging zum Jugendamt, weil er weg wollte von zu Hause, weg von seinen Eltern. „Dieser Moment war der absolute Tiefpunkt. Und gleichzeitig der absolute Höhepunkt. Danach wurde alles anders“, schreibt er in seinem bewegenden Buch „KEIN Pausenbrot, KEINE Kindheit, KEINE Chance“. Er lebte in Kaiserslautern ohne Perspektive: Mutter und Vater psychisch krank, Hartz IV-Empfänger, oft stehen sie morgens gar nicht erst auf. Jeremias musste immer stark sein, die Familie zusammenhalten: Einkaufen, Waschen, Essen kochen, Organisation, Streitschlichtung. Sobald er in der Schule schreiben gelernt hat, muss er sogar die Anträge auf Sozialhilfe ausfüllen. Jeremias spürte, dass er daran zerbrechen könnte, rang mit sich, täglich, Jahre, bis er tatsächlich ging…

In einem SOS-Kinderdorf bekam Jeremias, was er am meisten brauchte: Struktur, Zuwendung, Hoffnung. Und er nahm das Geschenk des Neuanfangs nicht nur an, er gibt es seit jenem 10. September 2012 auch unermüdlich an andere weiter. Der Junge machte sich in der Schule für Kinderrechte stark, wurde mit 15 Mitglied des UNICEF-Juniorbeirats, schaffte das Abitur! Und nicht nur das: Vor einem Jahr ergatterte Jeremias ein Stipendium in den USA. Sein Fach: Politikwissenschaften. Er weiß genau, was er will: „Ich möchte denen eine Stimme geben, die sonst nicht gehört werden.“

Seine Forderungen sind klar: Ganztagsschulen für alle gegen die Strukturlosigkeit daheim, eine preisgünstige Mobilisierung, um nicht im eigenen Brennpunkt-Stadtteil gefangen zu sein und die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz. Deshalb hat er seine Geschichte aufgeschrieben, deshalb geht er in Talkshows, wo er Politikern ins Gewissen redet. Erst, wenn alle die gleichen Chancen haben, ist Jeremias‘ Mission beendet.

Katrin Biber Seelensport

Nach Familiendrama hilft Katrin jetzt anderen Trauernden

Katrins Schwester wurde vom Ex-Freund ermordet. Lange war sie in Wut und Verzweiflung gefangen, bis sie eine ungewöhnliche Therapie entwickelte.

Das ist unerträglich und treibt einen in den Wahnsinn. Manchmal hat man das Gefühl, man würde am liebsten gegen eine Wand rennen.“ Wenn Katrin Biber (34) gegenüber auf einen Blick den Tag beschreibt, der ihr Leben für immer veränderte, brennen sich ihre Worte ins Herz. Es war der Tag, an dem ihre kleine Schwester Larissa von einem Tag auf den anderen spurlos verschwand.

Für Tirolerin Katrin und ihre Familie begann ein „permanentes Hin- und Herspringen zwischen Angst und Hoffnung“. Doch nach einer intensiven, zweiwöchigen Suche stirbt am 27.09.2013 jede Hoffnung: Larissa ist tot. Von ihrem Ex-Freund eiskalt erwürgt und skrupellos im Inn „entsorgt“. Der damals 24-Jährige war krankhaft eifersüchtig, Larissa sollte niemandem gehören, außer ihm. Das Todesurteil für die 21-Jährige.

Katrin fällt in ein tiefes Loch, weiß nicht, wohin mit ihrer Trauer. Die damalige Studentin hat zu dem Zeitpunkt keine Kraft mehr und das Gefühl, „ständig eine Last zu sein“. Sie sucht händeringend nach Angeboten, um ihre Trauer, die sie auch körperlich an den Abgrund treibt, zu bewältigen. Aber ohne Erfolg. Aufgeben, sich fallenlassen in den Sog der Tränen will sie nicht: Katrin gründet stattdessen vor knapp zwei Jahren den „Seelensport“. Dieser hilft den Teilnehmern, die Trauer durch Bewegung zu bezwingen.

Anders als bei normalen Sportarten ist Weinen und über seine Gefühle zu sprechen hier ausdrücklich erwünscht: „Für die Trauernden fühlt es sich so an, als würden alle Gefühle im Körper festsitzen“, erklärt die ausgebildete Personal-Trainerin. Und um den Körper von diesen Gefühlen zu befreien, ist „Seelensport“ genau das Richtige. Doch Katrin hat auch noch weitaus größere Ziele: „Ich möchte Veränderungen in der Gesellschaft schaffen, damit sich der Umgang mit der Trauer verändert. Ich möchte Betroffene erreichen und ihnen zeigen, dass es Hoffnung gibt.“

Katrin Biber Seelensport

Freundschaft ist die beste Seelenmedizin

Das unglaubliche Schicksal der Stefanie Ewald

…und wie ihre vier Freundinnen ihr durch den beschwerlichen Alltag helfen und Mut und Kraft geben

Wenn Stefanie Ewald (35) erzählt, teilt sie ihr Leben in zwei Hälften. Da gibt es dieses Leben vor der Diagnose, das sie als „stinknormal“ bezeichnet und das für sie heute oft wirkt wie die Geschichte einer anderen Frau. Und dann gibt es das Leben heute. Die Realität, die Außenstehenden den Atem nimmt.

Nach dem Krebstod ihres zehnjährigen Sohnes Ende 2019 starb im März dieses Jahres auch ihr Mann Sebastian (37) an einem gestreuten Lungenkrebs. Ihre Tochter Neele (7) hatte schon einen Tumor im Oberschenkel, kämpfte sich durch diverse Chemos. Und als wäre das alles nicht genug, wurde kürzlich auch bei Stefanie selbst aggressiver Brustkrebs diagnostiziert (auf einen Blick berichtete).

Ein „stinknormales“ Leben wie früher ist für die junge Mutter seither nur noch eine leise Hoffnung. Der Grund ist ein äußerst seltener Gendefekt: das Li-Fraumeni-Syndrom, welches häufige und frühe Krebs-Erkrankungen auslöst. Alle, bis auf die kleinste Tochter Lenja tragen dieses Gen in sich. „Es gibt auch Tage, an denen ich nur noch Schwarz sehe. An denen ich kaum Kraft habe aufzustehen“, gesteht Stefanie.

Doch zum Glück hat sie Schutzengel, die ihr auf Erden beistehen. Treue Freundinnen, die sie stützen, wenn mal wieder alles über ihr einzustürzen droht. Für die Freundschaft nicht nur ein Wort, sondern eine Lebenseinstellung ist. In guten und in diesen tiefdunklen Tagen. Andrea Hieke hilft Stefanie, Arztberichte und Diagnosen richtig einzuordnen. Ines Bober besucht Stefanie fast jeden zweiten Tag, denn ihr Sohn war mit Jonas eng befreundet. Sie kocht mit ihr und achtet darauf, dass sie ausreichend isst, spielt mit den Kindern und ist eine große Stütze im manchmal beschwerlichen Alltag. Nadine Weiner und Susann Schreiber generieren z.B. Spenden für Therapien, Ausflüge und Co..

Kennengelernt haben sich alle vor über zehn Jahren beim Geburtsvorbereitungskurs des verstorbenen Jonas. Über die Zeit sind sie zu einer Einheit zusammengewachsen und besprechen beim wöchentlichen Kaffeetrinken alles, was so anfällt. Dabei werden aber nicht nur Probleme gewälzt, auf einen Blick sondern es wird auch mal herzlich miteinander gelacht. Das ist allen, aber besonders Stefanie wichtig ist, denn diese seltenen Glücksmomente geben ihr viel Kraft.

Ein heller Silberstreifen am Horizont ist auch die von ihren Mädels initiierte Spendenkampagne (www.gofundme.com/f/familieewald). Menschen aus Deutschland und Europa spenden nicht nur Geld, sondern bauen Steffi mit lieben Worten auf. Susann Schreiber ist begeistert: „Gerade in den heutigen Zeiten, wo die Welt einem das Gefühl vermittelt, dass es nur noch wenig Menschlichkeit gibt, hat diese Anteilnahme alle vom Gegenteil überzeugt.“ Das ist etwas, was alle für immer in ihren Herzen tragen werden – komme, was wolle.

Der mutige Kampf einer misshandelten Ehefrau

Gloria Morena (34) wurde von ihrem Ex-Mann geschlagen. Heute hilft sie anderen Opfern

Ein Mann, der seine Frau beleidigt, sie erniedrigt und schlägt, der hat nie Recht. Niemals! Ganz im Gegenteil. Er ist an Armseligkeit nicht zu unterbieten!“ Wenn es um häusliche Gewalt geht, nimmt Gloria Morena kein Blatt vor den Mund.

Die zweifache Mutter aus Speyer hat es sich zur Mission gemacht, betroffenen Frauen zu helfen, aus der Beziehungshölle auszubrechen. In ihrem Podcast „mehrWERT Frau“, einer Vortragsreihe im Internet, gibt sie u.a. rechtliche und praktische Tipps für die Flucht in ein Leben ohne Gewalt und eine Spirale aus Angst. Auch an Schulen hält Gloria Vorträge. „Ich will nicht nur akut helfen, ich will das Thema auch in die Öffentlichkeit bringen“, sagt Gloria zu auf einen Blick.

Tatsächlich wird in Deutschland jede Stunde eine Frau Opfer von Gewalt. Doch die meisten von ihnen schweigen über ihr Martyrium – aus Scham, aus blanker Furcht. Gloria will ihnen eine Stimme geben, ihnen Mut machen.

Denn die 34-Jährige weiß zu genau, wovon sie spricht. Ihr Ex-Mann hat sie regelmäßig verprügelt. Immer wieder fand er einen vermeintlichen Grund und rastete aus: die falsche Kleidung, ein angeblicher Blickkontakt mit einem anderen Mann. Er schlug dann so stark zu, dass Glorias Gesicht völlig zugequollen war oder dass sie anschließend gewaltige Hämatome hatte. „Er hat mich sogar einmal in den Rücken getreten, so dass ich die letzten Stufen der Treppe hinunterfiel. Da war ich im siebten Monat schwanger“, erzählt Gloria.

Als er kurz nach der Geburt versuchte, Gloria den gemeinsamen Sohn (heute 15) zu entreißen, nahm die junge Frau allen Mut zusammen und rief die Polizei. „Mein Kind hat mir die Kraft gegeben,“ sagt sie heute.

Ein Jahr verbringen Mutter und Sohn im Frauenhaus – zum Schutz. Und auch danach dauerte es noch Jahre, bis ihr Ex-Mann aufhörte, sie zu bedrohen. Doch ihr Mut, sich und ihren Sohn zu retten, hat sich gelohnt. Und damit ist Gloria nicht nur die beste Ratgeberin für geschlagenen Frauen, sie ist auch das beste Vorbild.

Marie Dennemärker Corona Tod Vater

Nach Corona-Tod des Vaters kämpft Marie für ihre Geschwister

Das Coronavirus nahm Familie Dennemärker den Vater, ihren Fels in der Brandung. Doch Tochter Marie kämpft für einen Neuanfang und mehr Rücksichtnahme

Papa muss getestet werden.“ Als Marie bei der Arbeit diese Nachricht ihrer Mutter liest, ahnt die 19-Jährige nicht, das dieser eine Satz ihr Leben wie ein Kartenhaus zusammenfallen lassen wird. Sie und ihre Familie hatten ein normales Leben geführt, zusammengehalten, auch wenn es mal schwer war. „Dann bekam mein Vater Halsschmerzen und Husten.“

Als klar wurde, dass Robert Dennemärker keine Erkältung, sondern das Coronavirus erwischt hatte, begann ein Kampf gegen einen übermächtigen Gegner. Nach fünf Wochen im Krankenhaus starb der Familienvater am 26. April.

So sehr Marie selbst unter dem Verlust leidet, so sehr bewegen sie vor allem die seelischen Qualen der anderen. „Meine kleinen Geschwister Lisa (14) und Finn (11) werden ohne ihren Vater aufwachsen. Meine Mutter verliert ihren geliebten Mann und auch finanziell wissen wir momentan nicht, wie es mit uns weitergehen wird, denn mein Vater war der Hauptverdiener.“ Marie will kämpfen, für ihre Familie, für Papa, der für sie Freund wie Held war, der sechs Tage die Woche 14–16 Stunden schuftete, um die Familie zu ernähren. Marie tröstet ihre Geschwister, hilft bei der Versorgung und arbeitet neben ihrer Ausbildung zur Erzieherin als Aushilfe im Supermarkt. Für die Familienkasse. Unterstützt wird sie von der großen Schwester Franziska (22), die ins Elternhaus zurückgezogen ist.

Außerdem hat es sich Marie zur Aufgabe gemacht, die Menschen aufzurütteln. Sie träumt von einer Welt, in der Rücksicht keine hohle Phrase ist. Ihre Geschichte soll „ein Appell an diejenigen sein, die die zerstörerische Kraft des Virus immer noch verharmlosen.“ Bei Facebook und in einem Internet-Tagebuch schildert sie daher schonungslos die Leidensgeschichte ihres Papas. „Denn ein Schicksal wie das meiner Familie und meines Vaters wünsche ich niemandem!“

Marie Dennemärker Corona Vater Tod Familie

„Aus dem Rollstuhl kämpfte ich mich zurück ins Leben“

Nach einem Schlaganfall war Alex gelähmt, heute macht er anderen Kranken Mut

Wie muss es sich anfühlen, wenn man eben noch den Volleyball über das Netz geschlagen hat und dann plötzlich im Krankenhaus aufwacht und seine Beine nicht mehr bewegen kann? Dieses Horrorszenario hat der Masterstudent Alexander Goebel (28) aus Kamen erlebt.

Im April 2015 hörte sein Herz beim Sport auf zu schlagen – mit 23 Jahren hatte er einen Schlaganfall. „Ich konnte mich noch hinlegen, dann wurde alles schwarz“, sagt er im Interview mit auf einen Blick. 50 Minuten lang kämpfte der Notarzt um Alexanders Leben. Als dieser nach zwei Tagen aus dem Koma aufwachte, konnte er nicht mehr laufen. Ein Schock für den fitten Studenten! Nach einem Gehirnscan die niederschmetternde Diagnose: Er hat die seltene Moyamoya-Erkrankung. „Diese kann auch bei jungen Menschen zu Verschlüssen der Hirnarterien führen und so Schlaganfälle auslösen“, erklärt Alex’ Arzt, Prof. Markus Krämer vom Alfried Krupp Krankenhaus in Essen, der sich mit seinem Moyamoya-Verein für Aufklärung einsetzt.

Kaum jemand glaubte daran, dass Alex den Rollstuhl je wieder verlassen würde, doch für ihn stand fest: Ich will wieder laufen lernen! „Während der Therapie sind viele Tränen geflossen, aber meine Familie, Freunde und Ärzte haben mir Kraft gegeben“, sagt er heute. Im Januar 2017 geschah dann das Unglaubliche: „Mithilfe von Orthesen, die meine Beine stützen, konnte ich plötzlich stehen – es war unfassbar!“

Für viele Moyamoya-Patienten ist Alex seitdem ein wichtiger Ansprechpartner. Er beantwortet ihre Fragen persönlich oder per Mail, gibt den Betroffenen so Hoffnung, dass auch sie es schaffen können. Sogar Angehörige holen sich bei ihm Tipps. „Für diese Menschen da zu sein gibt mir sehr viel“, sagt der junge Mann. Mit Freundin Julia (25) fand er vor 1,5 Jahren sein großes Glück. Und so kann er sich immer darauf verlassen, dass seine Liebsten jeden Weg mit ihm gehen – egal ob im Rollstuhl, mit Unterarmstützen oder auf eigenen Beinen.

Alexander Goebel Schlaganfall

Rolf Reisten Zivilcourage Helden des Alltags

Zivilcourage ist seine Lebenseinstellung!

MUTIG! Dieser 83-Jährige stoppt Gewalttäter

Zivilcourage ist für diesen Mann kein Wort, sondern Lebensphilosophie. Auch wenn er dafür viel riskierte

Es ist dieser eine Tag, dieser eine kurze Moment, der ein Leben in ein „Vorher“ und „Nachher“ trennt. In dem aus einer gewöhnlichen Alltagssituation plötzlich die große Frage wird: Sehe ich weg oder zeige ich Zivilcourage? Bei Rolf Reisten (83) war es so ein Februartag wie immer. Er und seine Frau Karin (83) wollten spazieren gehen, um sich an den Krokusblüten zu erfreuen.

Doch mitten im Aschaffenburger Schöntalpark werden die beiden Zeugen, wie ein junger Mann lautstark mit seiner Freundin streitet. Als der Mann beginnt, seine Begleiterin zu schlagen, kann Rolf Reisten nicht länger untätig bleiben. „Da habe ich zu meiner Frau gesagt: ‚Da muss ich eingreifen‘“, erinnert er sich. Festen Schrittes geht der Bayer auf den Gewalttäter zu, versucht erst, mit Worten zu schlichten, will den jungen Mann dann von der Frau wegziehen. Doch der lässt sich nicht beruhigen, das Gemenge wird zum „richtigen Kampf“, wie Reisten schildert. Dabei bekommt der Rentner schließlich einen harten Schlag ins Gesicht ab und fällt zu Boden. „An die nächsten Minuten erinnere ich mich nicht.“

Er kommt erst wieder zu sich, als seine Frau und ein Passant ihm auf eine Parkbank helfen. „Der Passant hat auch den Notruf gewählt. Er war der Einzige, der geholfen hat“, erzählt Karin Reisten. Dass alle anderen wegsahen bei dem Kampf, das macht Rolf Reisten bis heute fassungslos. „Ich wünsche mir eine Welt, in der Menschen wieder mehr Zivilcourage zeigen.“ Natürlich mit Rücksicht auf die eigene Gesundheit.

Denn Rolf Reisten brachte seine Heldentat ins Krankenhaus. Diagnose: Schädelprellung mit einem Hämatom an der Schläfe. „Alles war grün und blau. Eine Woche lang schmerzte jeder Bissen.“ Was noch mehr schmerzte: Der Angreifer floh, konnte bis heute nicht gefasst werden. Dennoch: Rolf Reisten würde immer wieder eingreifen. Und auch wenn er von der fremden Frau nie ein Dankeschön gehört hat, für seine vier Enkeltöchter ist Opa ein wahrer Held!

Rolf Reisten Zivilcourage Helden des Alltags

Sandra Kocer Autounfall

Meine Mission? Endlich mehr Sicherheit im Straßenverkehr!

Sandra und ihre Schwester überlebten knapp einen Unfall. Jetzt macht sie sich stark, damit Raser endlich aufwachen

An die Sekunde, in der Sandra und ihre Schwester Tanja von einem Auto aus ihrem glücklichen Leben geschleudert wurden, kann sich die 27-Jährige nicht erinnern. Aber sie kann detailliert erzählen, was sich am 18. September 2015 ereignete und wie sie beide nach dem unverschuldeten Unfall um eine Zukunft kämpfen. Und sie erzählt es – gestärkt vom Rückhalt ihrer Familie – immer wieder, bis es jeder hört!

Um Fahrschüler zu warnen, ihnen zu zeigen, was passieren kann, wenn man sich leichtfertig hinter das Steuer setzt, spricht Sandra in der BG Klinik Ludwigshafen regelmäßig vor den Jugendlichen. „Das ist nicht einfach“, sagt sie zu auf einen Blick. Aber Sandra hat sich die Aufgabe bewusst ausgesucht. „Ich habe den Traum, dass irgendwann alle Autofahrer verantwortungsbewusst handeln“, sagt sie.

Die gelernte Krankenpflegerin spricht damit die Raser, die Betrunkenen, die Drogenkonsumenten an. Menschen wie der Mann, der Sandras und Tanjas Leben für immer verändert hat. Sandra: „Im Blut unseres Unfallgegners wurde unter anderem Alkohol und Heroin nachgewiesen.“

Er war an diesem Tag zugedröhnt und mitten im Berufsverkehr mit seinem Wagen auf die Gegenfahrbahn gekommen. Tanja, die am Steuer saß, hatte keine Chance mehr, auszuweichen. Knochenbrüche, innere Verletzungen und ein schweres Schädel-Hirn-Trauma bei Tanja machten die Frauen zu in Lebensgefahr schwebenden Patienten. „Wir hatten beide viel, viel Glück, dass wir überhaupt überlebt haben“, sagt Sandra. Doch bis heute leiden sie unter den Folgen. Sandra hat permanent Schmerzen, kann ihren alten Beruf nicht mehr ausüben. 20 Mal wurde sie in den vergangenen Jahren operiert. Tanja sitzt im Rollstuhl. Manchmal begleitet sie ihre Schwester zu den Präventionskursen. Und der Einsatz der beiden Frauen verfehlt seine Wirkung nicht. „Jeder, den wir erreichen, ist ein Etappenziel auf unserem Weg.“

Sandra Kocer Autounfall

Für Kinder in Not wird er zum Superhelden

Wünschen wir uns jetzt nicht alle einen Super-Helden? Michel (42) macht es vor, im Einsatz für die Kleinsten unserer Gesellschaft

Von wegen Super-Helden gibt’s nur im Film oder Comic: Kostüm an – und schwups, aus dem Schweizer Michel Fornasier (42) wird der einhändige „Bionicman“, der sich wie jeder Super-Held für Schwächere starkmacht. In seinem Fall sind es Kinder mit fehlender Hand, fehlendem Bein – Kinder, die im Rollstuhl sitzen und deshalb viel Zuspruch und Selbstvertrauen brauchen.

Einst gehörte er selbst dazu: Michel wurde ohne rechte Hand geboren. „Ich hatte immer Angst, wegen meines Handicaps abgelehnt zu werden“, sagt er im Gespräch mit auf einen Blick. Lange versuchte er, seine Behinderung zu verstecken: „35 Jahre lang habe ich die Jacke über den Armstumpf gezogen oder ihn in der Hose untergebracht.“ Dann bekam er eine bionische Handprothese (mit Motoren) und beschloss: Schluss mit dem Versteckspiel! Und siehe da: Plötzlich kam viel positiver Zuspruch.

Als ihn dann auch noch ständig Kinder auf seine silberne „Zauberhand“ ansprachen, fragten, ob er Superkräfte hätte, beschloss er, wirklich zum Super-Helden zu werden, und erfand „Bionicman“. So verkleidet, macht er seitdem in Schulen und Kliniken im gesamten deutschsprachigen Raum Kindern mit und ohne Handicap Mut: „Ich möchte zeigen, dass man Schwächen in Stärken verwandeln kann.“

Immer wieder hat er berührende Begegnungen, die ihn motivieren, weiterzumachen: „Ein Vater aus Deutschland hat mir erzählt, dass sein 12-jähriger Sohn, der keine linke Hand hat, in der Schule von zwei älteren Jungen wegen seiner Behinderung gemobbt wurde. Der Junge stellte sich dann ganz tapfer vor sie und sagte: ,Ja, ich habe nur eine Hand. Aber der ‚Bionicman‘ hat auch nur eine Hand!‘“

Kindern Mut machen, zu ihren Schwächen zu stehen, Berührungsängste abbauen, die Welt gleicher machen – das ist Michels Mission: „Ich wünsche mir eine Welt, in der alle gleich besonders sind.“ Er hat mit einem befreundeten Zeichner auch schon zwei Comics herausgebracht, der dritte erscheint Ende des Jahres. Und dann gibt es da noch seine Stiftung „Give Children a Hand“, die dafür sorgt, dass besondere Kinder besondere Prothesen bekommen. Einmal Super-Held, immer Super-Held. Mit oder ohne Cape.

NIna Böhmer Krankenschwester Bezahlung

Mutige Krankenschwester kämpft für bessere Bezahlung

Musste erst eine Pandemie ausbrechen, damit die Politik auch nur erahnt, was Klinikpersonal jeden Tag und jede Nacht leistet? Das fragen sich all die Pfleger und Krankenschwestern, die von Zimmer zu Zimmer hechten, die Doppelschichten schieben, die zu Helden werden für unsere Mütter, Kinder, den Nachbarn, uns! Und das nicht erst seit Corona.

Eine, die ihre Stimme laut erhebt, ist Krankenpflegerin Nina Magdalena Böhmer (28) aus Berlin. Ohne Beschönigung prangert sie im Internet die Missstände an: von der schlechten Bezahlung, der jahrelangen Gleichgültigkeit der Minister bis hin zu fehlenden Schutzmaßnahmen für das Klinikpersonal in der Coronakrise. „Wir sind doch keine Superhelden und können uns genauso anstecken“, findet Nina deutliche Worte im Interview mit auf einen Blick.

Jüngste Entscheidungen von Gesundheitsminister Jens Spahn und Co., etwa die Personaluntergrenze in der Notlage anzupassen, hält sie für unzureichend. Und: Sie ist sich sicher, dass nach Corona alles wieder sein wird wie vorher. „In der Politik geht es nur ums Geld. Wir werden auch weiterhin kaputtgespart.“ Fachkräfte wie Pfleger und Schwestern verdienen als Einsteiger etwa 2000 bis 2400 Euro Brutto, mit vielen Jahren Berufserfahrung 3200 Euro brutto pro Monat, je nachdem für welche Klinik oder welches Heim sie tätig sind.

Nina träumt von einer Welt, in der wir alle aufstehen und uns gerade machen für die, die unser Leben retten. „Petitionen an den Bundestag zu unterzeichnen“ oder „öffentlich protestieren“: Das wünscht sich die junge Frau, denn ihr und den Kollegen selbst sind in Sachen Demos oft die Hände gebunden: „Eigentlich müssten wir so streiken, wie es die Fluggesellschaften tun. Aber wie sollen wir das machen, ohne die Patienten zu gefährden?“

Und die Patienten sind es, warum Nina Krankenschwester geworden ist: „Ich liebe den Bezug zu den Menschen und dass ich sie ein Stück in ihrem Schicksal begleiten kann.“ Doch schon mit Beginn der Ausbildung wurde sie mit den Missständen konfrontiert. Viele Kollegen haben sie damals sogar gefragt, ob sie sich bei der Jobwahl auch wirklich sicher sei. „Aber ich hatte mich in den Beruf verliebt.

Die Kollegen aus der Berliner Klinik sind es auch, die zu 100 Prozent hinter Nina und ihrer Mission stehen. Und bald hoffentlich viele weitere Menschen, die sie bei ihrem Kampf um eine Veränderung unseres Gesundheitssystems unterstützen.

NIna Böhmer Krankenschwester Bezahlung

Logo | HELDEN DES ALLTAGS

Seit 50 Jahren pflegt er seinen Sohn

Seine Vaterliebe verleiht ihm Flügel. Ganz ohne Hilfe kümmert sich Andreas Engert Tag und Nacht um Joachim

Noch nie wurde das Drehbuch unseres Lebens so schnell und gnadenlos für uns alle umgeschrieben wie in diesen schweren Wochen. Von einer Aufstiegsgeschichte zu einem scheinbar nicht enden wollenden Thriller. Bei Andreas Engert aus Dittelbrunn (Bayern) ist es schon lange komplett anders, als wir uns unsere Welt sonst oft zeichnen.

Mit seinen 92 Jahren wird nicht er von seinen Kindern umsorgt, der Rentner pflegt seinen behinderten Sohn. Eine erdrückende Last in diesem betagten Alter? Nein! Gerade das Gefühl, gebraucht zu werden, gibt Andreas Engert viel Kraft. „Es ist eine Herausforderung, die aber auch sehr viel Freude macht“, sagt er über seinen ganz besonderen Männer-Haushalt mit Joachim (60).

Vor 50 Jahren brachte Engerts zweite Frau Friedhilde den damals 10-Jährigen mit in die Ehe. Aufgrund von Sauerstoffmangel bei der Geburt ist er geistig behindert und auf dem Entwicklungsniveau eines Kindes geblieben. Mit 28 kam Diabetes dazu, mit 48 eine Herz-OP. Seitdem braucht Joachim rund um die Uhr Betreuung. Tagsüber ist er in der Regel in einer Behinderteneinrichtung, den Rest der Zeit umsorgt ihn der Vater – seit dem Tod seiner Frau vor 17 Jahren ganz allein.

Einkaufen, das Essen täglich frisch kochen, Ordnung halten, Joachim betreuen und medizinisch versorgen – der ehemalige Bauingenieur Andreas Engert hat alles im Griff. Viermal am Tag misst er Joachims Blutzuckerspiegel und gibt ihm auch die notwendigen Insulinspritzen. Die beiden Männer sind ein eingespieltes Team mit festen Ritualen: montags Sauna, freitags Schwimmbad, jeden Abend ein Spaziergang. Und wenn Joachim aus der Werkstatt nach Hause kommt, sitzen Vater und Sohn erst mal bei Kaffee mit Fleischsalatbrot zusammen. Manchmal unterhalten sie sich, manchmal nicht. Typisch Männer eben.

Vor allem Enkel Michel (20), der selbst ausgebildeter Pfleger ist, zieht seinen Hut vor der Leistung seines Großvaters. „Ich arbeite gerne, aber nach acht Stunden bin ich müde und froh, Feierabend zu haben. Opa macht das 24 Stunden. Das ist schon ziemlich stark“, sagt er. Obwohl Andreas Engert nach zwei OPs und wegen einer Thrombose selbst mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat, kommt ein Heim für ihn auf keinen Fall infrage. Während andere von den ganz großen Sachen träumen, hat er nur einen Traum: „Joachim bleibt bei mir, solange ich kann. Das habe ich meiner Frau versprochen!“

 

Elena Poeschl Miete Berlin

Diese junge Frau stoppt Miethaie

Wie Elena in Berlin 300 Menschen vor der Wohnungslosigkeit rettete

Sein Zuhause verlieren, weil ein neuer Vermieter mächtig an der Preisschraube dreht? Elena Poeschl (26) wußte gleich, was ihr und ihren Nachbarn drohte, als sie einen Brief vom Bezirksstadtrat Berlin-Neukölln in Händen hielt: „Ich erinnere noch, wie mir beim Lesen immer mulmiger wurde“, so die Studentin zu auf einen Blick.

Ein ausländischer Investor hatte sich ein ganzes Portfolio an Wohnungen gesichert. Darunter befand sich auch der Wohnblock, in dem neben der 26-Jährigen etliche junge Familien und zahlreiche Renter lebten. Rund 300 Menschen, die auf bezahlbare Mieten angewiesen waren und von der bevorstehenden Luxussanierung überfordert gewesen wären.

Doch es gab auch einen Hoffnungsschimmer. Der Wohnblock liegt nämlich in einem sogenannten Milieuschutzgebiet. Damit hat der Bezirk ein Vorkaufsrecht. Für diese ungeplante Investition müssen sich die Politiker allerdings innerhalb von zwei Monaten entscheiden.

Das war der Moment, in dem Elena beschloss, zu kämpfen. Über Nacht wurde aus einer jungen Studentin im Frühjahr 2019 eine Heldin, die sich einem übermächtigen Miet-Hai in den Weg stellte. Sie koordinierte Demonstrationen, informierte im Internet, holte die Presse ins Boot und leistete bei den Politikern Überzeugungsarbeit.

Oft saß Elena bis spät am Abend am Computer, telefonierte oder malte mit Nachbarn Transparente für ihre Demonstrationen: „Das war schon viel Arbeit und sehr anstrengend, aber wenn einem ein 83 Jahre alter Nachbar mit Tränen in den Augen für den Einsatz dankt, das gibt enorm viel Kraft.“

Und am Ende konnten sie gemeinsam feiern: Die Wohnungen gehören heute einer stadteigenen Gesellschaft. Und weil so auch die Mieten stabil blieben, musste keiner der Mieter ausziehen.

Doch Elenas Kampf ist noch lang nicht zu Ende. „Kurz nachdem wir es geschafft hatten, kamen andere auf uns zu, die in einer ähnlichen Notlage Hilfe brauchten“, erzählt die junge Frau.

Im vergangenen Jahr hat Elena zusammen mit einer Nachbarin Mietgemeinschaften von 20 anderen Häusern in Berlin beraten. Meist mit Erfolg. Zuletzt kamen sogar Anfragen aus anderen deutschen Städten und auch aus dem europäischen Ausland…

Elena Poeschl Miete Berlin

Noah hilft mit Corona-Portal

Schule geschlossen? Da werde ich Corona-Held!

Noah Adler ist erst 15, aber er beweist in der schlimmsten Krise mehr Mut und Tatendrang als viele Erwachsene

Das Coronavirus erschüttert unseren Alltag, vor allem Ältere und Menschen mit Vorerkrankung sind durch die immer länger andauernden Maßnahmen stark eingeschränkt. Schon der Lebensmitteleinkauf oder der Gang zur Apotheke werden zur unüberbrückbaren Hürde. Wer hier kein Netz aus Familie und Freunden hat, der ist der Virus-Gefahr hilflos ausgeliefert. Für diese Menschen ist der 15-jährige Noah Adler aus Berlin ein echter Retter.

Als am 13. März die Schulen der Hauptstadt geschlossen wurden, freuten sich viele Jugendliche über die freie Zeit. Noah aber beschloss, diesen Umstand sinnvoll zu nutzen. In nur zwei Tagen stellte der Schüler, dessen Oma ebenfalls zur Risikogruppe gehört, die Internetseite „Coronaport“ auf die Beine. Hier können Besucher entweder ihre Hilfe anbieten oder Helfer suchen. Wer Rückhalt anbieten möchte, trägt in einem Formular ein, ob er beim Einkauf helfen, Kinder betreuen oder körperliche Arbeit verrichten kann. Wer Unterstützung sucht, bekommt über eine Liste Zugang zu passenden Helfern. „Ich baue Websites, seit ich 13 bin,“ sagt Noah zu auf einen Blick. „Und so ein Hilfsprojekt wollte ich schon immer mal starten.“

Mit dem Erfolg der Aktion hat er jedoch nicht gerechnet. Über 2500 Leute haben sich bisher in der Datenbank registriert. „Ich bekomme so viele Nachrichten von Leuten, die sich bedanken. Das ist irre.“ Vor allem Familien, die auf der Seite Hilfe für ältere Angehörige gefunden haben, melden sich.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Noah sozial engagiert: „Ich helfe auch oft beim DLRG und ASB Sanitätsdienst aus.“ Seine Freunde finden seine Aktion super. Viel Kontakt haben sie allerdings im Moment nicht. „Wir telefonieren ab und zu oder nutzen Video-Chat“, sagt der Schüler. Ansonsten hat er mit der Internetseite gerade alle Hände voll zu tun. Kann er sich denn eine berufliche Zukunft in dem Bereich vorstellen? „Eher nicht. Ich möchte gern Medizin studieren.“ Seine Eltern sind beide Ärzte. „Ich würde aber gern meine Computerkenntnisse in medizinischen Bereich einsetzten. Da könnte man noch so viel entwickeln.“

Sorgen um seine Gesundheit macht er sich wegen Corona nicht, andere Dinge verunsichern Noah Adler schon: „Ich bin beunruhigt, was die medizinische Versorgung und die schulische Zukunft angeht.“ Bei einer Sache ist er sich aber sicher: „Wir waren alle noch nie so dankbar für das Internet.“ Vor allem, wenn junge Leute wie er das Netz in Krisenzeiten für solch eine gute Sache nutzen. Dann sieht die Zukunft doch schon viel rosiger aus.

Noah Adler entwickelt Coronaport

Renate Foppe hilft anderen Missbrauchsopfern

Missbrauchsopfer hilft jetzt anderen Betroffenen

Scham und Hilflosigkeit – das ist es, was Opfer sexueller Gewalt meist verspüren. Gefühle, denen Renate Foppe (59) in ihrer Selbsthilfegruppe in Borghorst (NRW) voller Einfühlsamkeit entgegentritt. Bei ihr muss sich niemand verstecken.

Renate weiß, wie die Frauen, die zu ihr kommen, empfinden. „Ich wurde schon als Kind missbraucht. Später auch von meinem Ehemann“, erzählt die zweifache Mutter auf einen Blick. „Es hat lange gedauert, bis ich mich traute, zu gehen“. Als sie die Kraft dazu fand, merkte sie jedoch schnell: Für Frauen wie sie gibt es außer den üblichen Therapiestunden nur wenig Unterstützung. Deshalb beschloss sie vor zwei Jahren, eine Selbsthilfegruppe zu gründen.

„Wir sind im Moment acht Frauen jede Woche“, erzählt Petra Meyer (49). Sie wurde als Kind von ihrem Vater missbraucht. „Die Frauen, hier wissen, was ich durchgemacht habe. Das kann sonst niemand nachvollziehen.“ Das sagt auch Silvia Hundeler (47). Sie wurde von einem Nachbarn vergewaltigt. Konnte lange aus Angst kaum das Haus verlassen. „Seit ich in der Gruppe bin, mache ich wieder viel mehr. Der Zusammenhalt gibt mir viel Kraft. Ich bin so dankbar dafür.“ Es gibt bei den Treffen aber nicht nur traurige Momente. „Wir sitzen nicht die ganze Zeit im Kreis und weinen. Es gibt auch Tage, da reden wir einfach Unsinn und lachen gemeinsam.“

Neben der Hilfe für die Frauen will Renate vor allem das Thema sexuelle Gewalt aus der Verschwiegenheit holen. „Viele trauen sich nicht, um Hilfe zu bitten, weil sie Angst vor den Reaktionen haben.“ Bei Renate können sie aber sicher sein, dass immer ein offenes Ohr auf sie wartet.

Renate Foppe hilft anderen Missbrauchsopfern

HELDEN DES ALLTAGS | Sarah-Jane Jeszenszky

Unheilbar krank: „Ich kämpfe jeden Tag – für meine Tochter“

Wie kann man seiner achtjährigen Tochter erklären, dass einem vielleicht nicht mehr viel Zeit mit ihr auf dieser Welt bleibt? Wie schafft man es, daran nicht zu verzweifeln? Kaum jemand weiß das besser, als Sarah-Jane Jeszenszky (36). Die alleinerziehende Mutter leidet an Mukoviszidose, einer Krankheit, die die Lunge zunehmend schwächt und tödlich verläuft.

„Ich muss täglich inhalieren und Physiotherapie machen, zudem bin ich oft in der Klinik“, sagt Sarah-Jane, die von ihrer Mutter unterstützt wird. Tochter Vanessa (8) weiß, „dass ich sie vielleicht nicht aufwachsen sehen werde. Das macht sie natürlich unglaublich traurig. Dennoch bleibt sie stark und ist so eine große Stütze für mich.“

Bereits zwei Mal entkam die junge Mutter nur knapp dem Tod: 2016 betrug ihre Lungenfunktion nur noch knapp über 20 Prozent, 2018 kollabierte ein Lungenflügel.

Dennoch kämpft sie um jeden Tag mit ihrer Tochter. Ihr Zustand hat sich verbessert; ein neues Medikament aus den USA schlägt an. In den sozialen Medien macht Sarah-Jane auf die besondere Problematik ihrer Krankheit aufmerksam – und so anderen Betroffenen Mut. TV-Star Prince Damien unterstützt die junge Mutter. Nicht nur für ihn, sondern vor allem für die kleine Vanessa steht fest: „Mama ist eine Heldin!“

Helden des Alltags 2020: Sarah-Jane Jeszenszky

Helden des Alltags 2020: Sarah-Jane Jeszenszky