Witwer mit 3 kleinen Kindern: Ohne Denise hätte ich das nicht geschafft

Seine Frau (25) starb, als sie schwanger war. Ihre beste Freundin half, als die junge Familie nicht mehr weiter wusste

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Blinde Vorzeile Bunte Lichter, Girlanden, Ballons: Am 17. Februar wurde Franziska Lemcke († 25) von ihrem Mann mit einer Babyparty überrascht. Ihre Freunde freuten sich mit ihr auf das kleine Mädchen, das in zwei Monaten zur Welt kommen soll. Das Baby macht nach Elias (3) und Louis (2) das Familienglück perfekt. Auch Denise Soboll (28) war auf der Babyparty (s. Foto r.), sie ist mit Franziska seit 20 Jahren befreundet.

„Zwei Tage nach der Party hatte Franziska Kopf- und Nackenschmerzen“, erinnert sich ihr Mann Dominik Lemcke (29). Die Beschwerden wurden immer schlimmer, der Notarzt brachte sie ins Krankenhaus. Dort verschlechtert sich ihr Zustand rapide. Franziska kann innerhalb von Minuten nicht mehr sprechen: „Sie riss mich an sich, sagte ‚Mhm‘, das war unser letzter gemeinsamer Moment“, sagt der Familienvater. Franziska fällt ins Koma. Die Diagnose: eine Pneumokokkeninfektion mit Hirnhautentzündung. Sehr selten und in ihrem Fall: tödlich. Nur Maschinen halten die hirntote Frau fortan noch für ihr Kind am Leben. Am 23. Februar wird Baby Leonie per Kaiserschnitt geholt, zwei Tage später die lebenserhaltenden Maßnahmen eingestellt. Leonie lebt, Franziska Lemcke ist tot.

Nichts ist mehr, wie es einmal war.

Der dreifache Vater muss seinen Lehrgang zum Lokführer bei der S-Bahn Berlin abbrechen, fortan rund um die Uhr für Frühchen Leonie und seine beiden Söhne da sein. Finanzielle Rücklagen gibt es nicht. Neben der unendlichen Trauer gibt es nun auch Zukunftsangst: Wie soll er für seine Familie sorgen?

Denise Soboll hat zum Zeitpunkt des Todes ihrer Freundin Franziska selbst gerade ihre Tochter bekommen. „Ich wollte so gerne etwas tun“, sagt sie. Schlussendlich hat sie die rettende Idee: „Ich hatte schon Spendenaufrufe in den sozialen Medien gesehen“, erinnert sie sich. „Ich habe mich informiert, wie so was abläuft und dann einen bei Facebook gepostet.“ Innerhalb kurzer Zeit wird ihr Aufruf 50 000 Mal geteilt. Ihre Hoffnung: Vielleicht kommen ein paar Tausend Euro für Familie Lemcke zusammen.

Am Schluss waren es über 70 000 Euro. „Die Hilfsbereitschaft der Menschen war überwältigend“, sagt sie. Sie beantwortet Hunderte E-Mails und Nachrichten, nimmt Sachspenden für die Lemckes an: Spielzeug, Windeln, Folgemilch. Denise ist sicher: „Franziska hätte das auch für mich gemacht.“

Witwer Dominik Lemcke erfährt erst von der Summe, als der Spendenaufruf beendet ist: „Denise sagte nur, ‚Ich mache hier was für euch‘.“ Für den alleinerziehenden Vater ist das Geld eine große Hilfe: „Es bringt mir meine Frau nicht zurück, aber es nimmt uns ein paar Sorgen.“

Seine Frau ist seit drei Monaten tot, richtig fassen kann Dominik Lemcke das immer noch nicht: „Ich muss mit einem Leben abschließen und mir gleichzeitig ein neues aufbauen, das ist unglaublich schwer.“ Hier muss er vor allem für seine Kinder funktionieren, stark sein, ihnen einen geregelten Alltag bieten. Die Kleinen verstehen noch nicht, was mit ihrer Mama passiert ist. „Mama ist jetzt ein Engel“, hat er ihnen gesagt.

Dominik hat neben Denise (sie passt zum Beispiel auf die Kinder auf) auch Hilfe von seiner Familie. Alle ermöglichen ihm Zeit zum Trauern. Es tröstet ihn zu wissen, dass so viele Menschen ihn unterstützt haben und dass seine Freunde für ihn da sind. Freunde wie Denise Soboll.