Unheilbar krank – aber für meinen Sohn kämpfe ich weiter

Endlich hielt Mia de Vries ihr Wunschkind im Arm, doch das Glück war nur von kurzer Dauer …

Familie Krebs Kampf Mia de Vries

Wenn Levi (2) mit süßer Kleinkindstimme seine Mama zum Autospielen überredet und dabei übers ganze Gesicht strahlt, dann vergisst Mia alle Sorgen und Schmerzen. Und sie vergisst ihre größte Angst: Wie es Levi ergehen wird, wenn sie nicht mehr für ihn da sein kann.

Mia de Vries aus Dernbach (Rheinland-Pfalz) ist 28 Jahre alt und hat Krebs. Unheilbar. Doch die junge Frau kämpft um jeden Tag, den sie leben darf. Nicht für sich, sondern für ihre Familie. „Ihretwegen halte ich durch“, sagt Mia zu auf einen Blick.

Ihr größter Wunsch ist es, dass Levi so lange wie möglich eine bedingungslos liebende Mama hat, in deren Arme er sich kuscheln kann, wenn in seiner kleinen Welt viel passiert ist oder er sich beim Toben das Knie aufgeschlagen hat. „Und ich würde gern seine Einschulung erleben.“

Dafür nimmt Mia viel auf sich: Mehr als 40 Chemotherapien hat sie in den vergangenen zwei Jahren gemacht und bis zu 27 Tabletten täglich geschluckt. Außerdem achtet Mia akribisch auf eine gesunde Lebensweise.

Kurz vor Levis erstem Geburtstag bekam die junge Frau die Schockdiagnose: Brustkrebs. Der Tumor hatte damals bereits gestreut. Momentan hat Mia mehrere Metastasen im Kopf, in den Lymphen und der Lunge.

„Ich hatte einen Knoten in der Brust getastet und bin zum Arzt gegangen.“ Zunächst hatte sich Mia deswegen überhaupt keine Sorgen gemacht. „Ich war gerade beim Abstillen und dachte, es wäre ein kleiner Milchstau.“ Ein Irrtum. Und als der Arzt Mia und ihrer Familie das Ausmaß ihrer Erkrankung erklärt, fließen viele, viele Tränen.

Es ist nicht der erste schwere Schicksalsschlag, den Mia und Ehemann Michel (52) ertragen müssen. Vor Levis Geburt erlitt das Paar zwei Totgeburten. Mia musste die kleinen Mädchen Lily und Lu still auf die Welt bringen. „Das war eine sehr schmerzhafte Zeit für uns“, sagt Mia. Damals hilft der jungen Frau, die sich so sehnlich ein Kind wünscht, das Internet. Dort findet sie andere Frauen, die ihr Schicksal teilen und mit denen sie über das Erlebte reden kann.Familie Krebs Kampf Mia de Vries

Wegen dieser Erfahrung entscheidet sich Mia nach der Diagnose, im Internet über ihr Leben mit Krebs zu berichten. „Ich möchte aufklären, wie wichtig Brustkrebsvorsorge ist und anderen helfen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden“, sagt sie.

Und auch wenn Mias Kampf gegen den Krebs ein besonders schwerer ist – sie hat eine Überlebenschance von drei Prozent –, macht sie vielen Betroffenen Mut. Das liegt vor allem an Mias unvergleichlicher Art, Optimismus und Lebensfreude auszustrahlen. „Sie ist so selbstlos und jammert praktisch nie“, sagt Ehemann Michel stolz, und Mia selbst findet: „Das Leben ist einfach zu schön, um nur traurig zu sein.“

Die starke Frau glaubt an sich. Für den schlimmsten Fall hat Mia dennoch Vorbereitungen getroffen. Bis er 21 Jahre alt ist, wird Levi zu jedem Geburtstag eine Karte von seiner Mama bekommen. Außerdem hat sie Fotoalben für ihr Söhnchen und ihren Mann vorbereitet. „Ich will, dass Levi weiß, wie seine Mama war.“

Und Mia will ihrem kleinen Jungen ihre Lebensweisheiten weitergeben, die sie selbst so sehr prägen. Zum Beispiel: „Es macht keinen Sinn, sich über Sachen zu ärgern, die man schnell wieder vergessen hat, oder mit dem Partner über Kleinigkeiten zu streiten, die in Wirklichkeit unwichtig sind, so wie ein vergessener Müllbeutel.“

Was sich Mia für Levi wünscht: „Ich hoffe, dass er in seinem Leben viel Liebe erfährt. Denn nicht Geld, Ruhm, nicht mal Gesundheit sind wichtiger.“ Wie schön, dass Levi das bereits seit Geburt von seiner Mama und seinem Papa lernen darf.