Sie hilft Opfern von Verbrechen oder schweren Unfällen

Mein Freund hat mich brutal misshandelt – aber ich gebe nie auf

Vanessa Münstermann (29) strahlt. Die junge Frau ist zum ersten Mal schwanger. Von ihrer Jugendliebe, mit der sie wieder zusammenfand. Doch Vanessas Gesicht erzählt zugleich auch eine Geschichte von unglaublichem Schmerz und Leid.

Sie war auf dem Weg zur Arbeit, als ihr Exfreund Daniel sie aus Rache für die Trennung mit Schwefelsäure übergoss. Dabei wurde ihr halbes Gesicht verätzt, sie verlor ein Ohr und ein Auge. Sie lag zwölf Wochen im künstlichen Koma, nur zahlreiche Notoperationen konnten sie retten. „Das war die schlimmste Zeit in meinem Leben. Ich fühlte mich in meinem eigenen Körper gefangen“, erzählt Vanessa auf einen Blick.

Auch ihre Familie wurde in diesen Tagen auf die Probe gestellt. Ihr Vater Martin (60) erinnert sich: „Mir ging es miserabel, weil ich sie nicht beschützen konnte. Ich hatte Angst, dass sie sagt: ‚Warum habt ihr mich nicht sterben lassen?‘“ Doch verzweifeln ist nicht Vanessas Art. Selbst nach dem ersten Blick auf ihr entstelltes Gesicht im Spiegel nicht. „Ich wusste, es gibt nur zwei Optionen: zusammenbrechen oder weitermachen.“ Sie entschied sich für Letzteres.

Immer an ihrer Seite waren die Familie – und ihre Freunde. Diese gründeten die Aktion „We love Vanessa“, über die in kürzester Zeit Genesungswünsche und Spenden aus der ganzen Welt für sie eintrafen. „Ich habe gespürt, die Leute wollen, dass ich es schaffe. Ich konnte sie nicht enttäuschen“, erzählt die gelernte Kosmetikerin.

Noch im Krankenhaus beschloss sie, etwas zurückgeben zu wollen, und gründete die Stiftung „Ausgezeichnet e. V.“. Persönlich kümmert sie sich dort um Betroffene, die durch Unfälle oder Verbrechen mit starken Narben und Entstellungen leben müssen, versorgt die Angehörigen mit Informationen und Verständnis, sammelt Spenden. Tatkräftig unterstützt wird sie dabei auch von ihrem Papa: „Was Vanessa geschafft hat, ist eine wahnsinnig tolle Leistung.“ Und der Täter? Der wurde schnell gefasst, bedroht sie vom Gefängnis aus aber noch immer mit Briefen. „Er bekam zwölf Jahre“, sagt Vanessa. „Aber mein Schicksal ist lebenslänglich.“