Sie haben ein besonderes Kind adoptiert

Für ihren behinderten Sohn änderten sie ihr komplettes Leben…

Fiete Lange Hund Authismus Behinderung Adoption

Es ist ein unglaublich bewegender Moment, als Maria (44) und Thorsten Lange (46) den zwei Monate alten Fiete das erste Mal in die Arme schließen können. Ein Moment tiefsten Glücks, das die beiden kaum fassen können. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, erinnert sich Maria. Jahrelang hatten sie und ihr Mann auf ein Adoptivkind gewartet, die Hoffnung auf eine kleine Familie eigentlich schon aufgegeben.

Um dem kleinen Fiete ein gutes Leben bieten zu können, stellten sie ihr eigenes komplett auf den Kopf – eine mutige und selbstlose Entscheidung.

Denn der kleine Junge kam leider nicht gesund zur Welt, sondern leidet am Fetalen Alkoholsyndrom (FAS). Seine leibliche Mutter hatte während der Schwangerschaft getrunken. Fiete ist zu 70 Prozent behindert, extrem hyperaktiv und zudem an frühkindlichen Autismus erkrankt. Eine große Herausforderung!

„Die ersten fünf Jahre haben wir kaum geschlafen, wach bleiben musste immer derjenige, der gerade mehr Kraft hatte“, erinnern sich Maria und Thorsten.

Seit 16 Jahren sind die beiden verheiratet, lernten sich während des Studiums in Bonn kennen und lieben. „Uns war immer klar, dass wir Kinder haben möchten, aber ich kann keine eigenen bekommen, also war eine Adoption der logische Schritt“, so Maria.

Doch nach vier Jahren Warten rechnen die beiden nicht mehr damit, dass es klappt. „Dann machen wir eben Karriere, haben wir uns gesagt.“ Maria und Thorsten arbeiten beide im Marketing – meist bis zu zwölf Stunden am Tag. Sie verdienen gut, wohnen in einer schönen Altbauwohnung in einem beliebten Hamburger Stadtteil. Für viele trifft genau das die Vorstellung eines erfüllten Lebens.

Nicht für Maria und Thorsten, für die sich 2008 mit einem Anruf vom Jugendamt alles schlagartig ändert: „Fiete hat aus uns bessere Menschen gemacht“, sagt Thorsten, der noch mal das Studium der Sozialen Arbeit begonnen hat. Auch für Maria wurde die Karriere unwichtig, sie arbeitet in Teilzeit als Kundenberaterin. Die Familie ist an den Stadtrand gezogen, da das Geld knapp ist, haben sie die Möbel günstig im Internet ersteigert.

Wie teuer das Sofa war, ist vor allem dem mittlerweile zehnjährigen Fiete egal, der darauf mit Hündin Mascha kuschelt. Das dunkle Fellknäuel gibt Fiete Ruhe und Sicherheit, ist immer bei ihm, auch, wenn er um fünf Uhr morgens nicht mehr schlafen kann.

Manchmal passiert es, dass Fiete aufgrund seiner Krankheit plötzlich die Kontrolle über sich verliert. „Natürlich ist es mir etwas unangenehm, wenn er sich mitten im Einkaufszentrum auf den Boden schmeißt“, sagt Maria. „Aber ich lege mich dann einfach dazu und versuche ihn wieder zu beruhigen.“

Es ist die unendliche Liebe zu Fiete, die Maria und Thorsten durchhalten lässt, auch wenn sie manchmal am Rande ihrer Belastbarkeit angekommen sind. „Wenn es Fiete gut geht, dann geht es uns auch gut. Für uns ist er das perfekte Kind.“