Wir haben unser Dorf gerettet!

Dorfsterben? Nicht mit uns! Die Bewohner von Oberndorf retteten ihren idyllischen Ort mit Mut und viel harter Arbeit

Oberndorf Freizeit Dorf Rettung

Wenn Dörfer sterben, dann meist ganz leise. Erst ziehen die jungen Leute weg, dann machen die ersten Läden zu. Bald gibt es keine Schule mehr – und am Ende hält hier nicht mal der Bus.

Auch Oberndorf stand 2014 vor dem Aus: Die alte Dorfkneipe, Schule und Bank des kleinen niedersächsischen Ortes im saftgrünen Mündungsbereich der Elbe waren bereits geschlossen, und Familie um Familie erlag dem Ruf der kaum 40 Kilometer entfernten Stadt Cuxhaven.

Doch Oberndorf hat nicht nur knapp 1400 Seelen, sondern auch ein Kämpferherz! „Wir konnten nicht warten, bis der Staat uns hilft, wir mussten uns selber helfen“, fasst Bert Frisch (70) den Ruck, der durch die Gemeinde ging, zusammen. Zwei Dutzend Oberndorfer beschließen, für den Erhalt ihres Heimatdorfes zu kämpfen, getreu dem Motto: „Jetzt erst recht!“

Doch wie rettet man ein Dorf? Erst mal musste ein neuer Treff- und Mittelpunkt des Dorflebens her. Gemeinsam eröffneten fünf Oberndorfer die „Kombüse 53° Nord“, die sie heute ehrenamtlich betreiben und mit der sie drei neue Arbeitsplätze schufen. Ein Anfang. Seitdem ist die Kneipe fast täglich rammelvoll – nicht nur donnerstags, wenn originelle Pizza-Eigenkreationen (5,50 Euro) aufgetischt werden. Auch Konzerte, ein Nähcafé und andere kulturelle Veranstaltungen finden regelmäßig in der Kombüse statt – immer mit freiem Eintritt.

Besonders wichtig: Auch im alten Schulgebäude wird seit letztem August wieder gelehrt. Mit seiner Frau Franziska eröffnete Christian Beckmann (32) die freie Schule „LernArt“, die durch Spenden und Schulgebühren der Eltern finanziert wird. Statt klassischem Unterricht bietet die staatlich anerkannte Ersatzschule Kurse wie Werken oder Kochen. „Wir wollen individuell auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen“, erklärt Beckmann das Prinzip, das bei den derzeit 40 Schülern und neun frisch eingestellten Lehrkräften super ankommt. So wie die kostenlose Kinderbetreuung am Nachmittag.

Selbst den öffentlichen Nahverkehr haben die Oberndorfer auf kreative Weise neu belebt: Überall im Dorf stehen nun rote Bänke – wer darauf Platz nimmt, muss nicht lange auf eine private und kostenlose Mitfahrgelegenheit warten. Man hilft sich eben, wo man kann.

Mit Erfolg. Die Einwohnerzahl wächst, kürzlich sind drei junge Familien zugezogen. Den Dorfläden geht es gut – weil viele Oberndorfer ihnen zuliebe nicht im Internet bestellen. Und bei der Gemeinde kann die Oberndorfer Fahne (50 Euro) wieder gekauft werden. Dank seiner engagierten Einwohner wird sie sicher noch lange wehen …

Sie möchten für diesen Helden abstimmen? Dann wählen Sie die 01378/00 41 – 10 und gewinnen Sie mit etwas Glück 100,- €.