Eva kämpft mutig gegen Pflegemissstände

Die Altenpflegerin hat in ihrem Beruf Schlimmes gesehen. Sie spricht offen darüber, lässt sich nicht mundtot machen

Als Eva Ohlerth (59) vor knapp 30 Jahren den Beruf der Altenpflegerin erlernte, wollte die gebürtige Rheinländerin alte und kranke Menschen würdevoll über die letzten Lebensjahre begleiten. Doch was sie in den Heimen sah, hatte mit Würde nichts zu tun, erzählt sie in auf einen Blick. Fehlende Hygiene, kein liebes Wort, Betrug – Ohlerth spricht öffentlich darüber. Für Furore sorgte zum Beispiel ihr Auftritt in der Talkshow von Anne Will, wo sie enthüllte, dass alte Menschen im Heim nur dreimal täglich auf die Toilette dürften, um Zeit zu sparen. Ebenso brachte die Münchnerin ans Licht, dass die Dokumentationen von Leistungen gefälscht würden. Das brachte ihr viel Ärger ein, vor allem mit Kollegen. Deshalb aufgeben und schweigen? Nie!

In der Schweiz, wo Eva Ohlerth einige Zeit arbeitete, sah sie, dass es besser geht. Sorgfältiger, würdevoller. Nach dieser Erfahrung ist sie heute als Coach aktiv, hilft Pflegekräften, Berufsaussteigern und Auszubildenden. Als Betreuerin und in der Intensivpflege hält sie Kontakt zur Praxis.

„Die Fachkräfte müssen sich solidarisieren“, fordert Ohlerth. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn stehe in der Pflicht, aber auch das Personal selbst. Schließlich seien es doch schon kleine Gesten, die den Patienten mehr Lebensqualität verschafften. So hat sie mit Kollegen für die Senioren Waffeln gebacken. Der Duft durchströmte die Stationsräume. „Sogar Demente sagten mir ihre Waffelrezepte von früher auf“, sagt Ohlerth. „Das war Pflege.“