Mit 94 Jahren hilft sie Menschen in Not

Die Dankbarkeit der Bedürftigen ist für sie der schönste Lohn

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Liebevoll deckt sie den Tisch ein, kocht Kaffee und bereitet das Essen vor. Doch Friedl Wittmann (94) macht sich die Mühe nicht für ihre Familie, sondern für Bedürftige.

Seit 14 Jahren arbeitet die Münchnerin ehrenamtlich bei der Tafel in Oberföhring. Ihre Tochter hatte sie damals mitgenommen. Seitdem verteilt Friedl jeden Donnerstag vor der Vaterunserkirche frisches Obst, Brot oder, so wie heute, warme Mahlzeiten an Menschen, die sich ein Mittagessen sonst nicht leisten können. Doch damit ist ihre Arbeit nicht getan. Bis 17.30 Uhr räumen Friedl und ihre Kollegen noch auf, fegen und machen den Abwasch. Unermüdlich greift sie dann zu Besen und Schwamm. „Ich brauche das einfach“, lächelt Friedl. Sie selbst, Jahrgang 1924, hat in ihren über 90 Lebensjahren einiges erlebt und kennt das Gefühl, nichts zu haben, nur zu gut: „Ich bin ein Kriegskind. Der Krieg hat uns die schönste Zeit genommen, und danach kamen die entbehrungsreichen Nachkriegsjahre – wir hätten gern das ein oder andere gehabt, aber haben es nicht bekommen.“ Das möchte die Witwe anderen, so gut es eben geht, ersparen.

Ihr größter Lohn: „die Dankbarkeit der Menschen.“ Doch auch den Kontakt zu den anderen Mitarbeitern schätzt die Rentnerin. „Wir sind hier alle per Du und wenn einer Geburtstag hat, feiern wir jedes Mal alle zusammen bei Brotzeit und Kaffee“, erzählt Friedl strahlend. Und letztlich sind es diese Gemeinschaft, das Gebrauchtwerden und ihre positive Einstellung, die die Seniorin richtig jung halten.