„Meine Lana ist die beste Tochter der Welt“

„Meine Lana ist die beste Tochter der Welt“

Die 14-Jährige pflegt ihren schwer kranken Vater und setzt sich für andere pflegende Jugendliche ein

Lana Rebhahn; Vater, Pflege, Krankheit, Familie

Ob sie ein Mama- oder Papa-Kind ist? Die Antwort fällt Lana Rebhan leicht. „Ich bin Papa-Kind“, sagt die 14-Jährige und lächelt ihren Vater Jürgen (51) an. „Aber“, ergänzt sie schnell, „dich habe ich auch lieb, Mama!“ Mama Katharina (39) lacht. Sie versteht das.

Auf dem Tisch steht Kuchen. Die Stimmung ist genauso süß. Liebevolle Blicke, witzige Gespräche. Hündin Kessy (7) wartet ungeduldig auf Krümel. Ein ganz normaler Tag einer ganz normalen Familie.

Doch ganz so normal ist es nie im Hause Rebhan. Denn Jürgen Rebhan ist schwer krank. Er leidet unter Zystennieren. Bei dieser Krankheit entwickeln sich Zysten in der Niere und erschweren deren Funktion erheblich. Jürgen Rebhan muss oft ins Krankenhaus an die Dialyse, hat starke Schmerzen. Vor sechs Jahren bricht die Krankheit das erste Mal aus. Da ist Lana noch klein, begreift aber, dass sie ihre Eltern unterstützen muss.

Das hat sich bis heute nicht geändert. Katharina Rebhan arbeitet in einem Steuerbüro, ist zudem Heilpraktikerin und kommt erst abends nach Hause. Tagsüber ist es Lana, die alle Fäden in der Hand hält. Sie unterstützt ihren Vater bei der Medikation und hält die Notfalltasche für spontane Krankenhausbesuche des Vaters stets gepackt. Zusätzlich kocht Lana, putzt und wäscht. Ihre Lieblingsaufgabe ist Bügeln: „Dabei kann ich fernsehen oder Musik hören.“ Sie ist Fan von Rockmusik, besonders von Linkin Park, was man an den Postern in ihrem Zimmer erkennt.

Dorthin zieht sich Lana zurück, wenn sie Ruhe braucht oder nachdenkt. „Als Kind denkt man doch immer, der Papa sei unkaputtbar“, sagt sie. Umso härter ist es, als sie merkt, dass dies nicht so ist, wie letztes Jahr, als ihr Vater sowohl einen Herzinfarkt als auch einen Schlaganfall bekam. Dreimal dachte sie bereits, sie müsse sich von ihrem Papa verabschieden. Sie legte sich sorgfältig die Worte zurecht, die sie ihm sagen wollte.

Auf der einen Seite so erwachsen, ist Lana immer noch ein 14-jähriges Mädchen. Und trotz des Familienzusammenhalts fühlt sie sich manchmal allein. In ihr reift die Idee, eine Plattform zu gründen, auf der sich pflegende Kinder und Jugendliche einander anvertrauen können. Sie baut die Webseite www.young-carers.de. Dort sind ihre Eltern und sie Ansprechpartner für Betroffene, sie hören zu und erteilen Ratschläge. Wenn spezifischere Hilfe gefragt ist, stellen sie den Kontakt her, beispielsweise zu einem Jugendtelefon oder anderen Organisationen. Der Erfolg der Webseite ist größer als erwartet: Regelmäßig melden sich zahlreiche Jugendliche bei Lana, veröffentlichen Erfahrungsberichte oder bitten um Hilfe. Deutschlandweit gibt es etwa 225 000 pflegende Kinder. Um das Leben dieser und zukünftiger pflegender Kinder zu erleichtern, macht Lana auf die Umstände aufmerksam. Sie möchte, dass der Staat Fördermaßnahmen für Betroffene einrichtet. Das würde nicht nur deren finanzielle Situation erleichtern, sondern vor allem eins ausdrücken: Respekt vor dieser großen Aufgabe, als Kind seine Eltern zu pflegen.