Ihren kranken Sohn lassen Sie niemals im Stich

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Der Tag startet für Renate Kreuzer (80) und ihren Mann Josef (81) schon in aller Herrgottsfrühe. Denn trotz ihres betagten Alters pflegen die Eheleute ihren Sohn ohne Unterstützung. Sie waschen ihn, bereiten sein Frühstück, legen ihm seine Kleidung zurecht, bevor es für ihn in die Werkstatt geht. Denn Frank (51) leidet an einer schweren Form des Downsyndroms und braucht schon sein ganzes Leben ihre Hilfe.

„Als Frank damals geboren wurde, haben mir die Ärzte erst gar nichts über seinen Zustand gesagt“, erzählt Renate Kreuzer auf einen Blick. Wie gravierend seine Behinderung sei, habe sie erst mit der Zeit erfahren. Ein Schock für die Familie. Frank kann kaum sprechen, sieht schlecht, hört schlecht und ist auch körperlich eingeschränkt.

Geistig ist er auf dem Stand eines Kleinkindes. Eine ungeheure Aufgabe für die Eltern. Vor allem, da es früher nur wenig Unterstützung auf diesem Gebiet gab. „Auf der Straße wurden wir oft angestarrt, manchmal sogar angefeindet“, berichtet die dreifache Mutter.

Bedauert hat sich die Münchnerin aber nie. Sie tat einfach alles dafür, dass sich ihr Kind so gut wie möglich in der Gesellschaft zurechtfindet. Stundenlang brachte sie ihm Tischmanieren bei, erklärte ihm, wie man sich anzieht, und sorgte dafür, dass er keine Windel tragen muss. All das neben ihren Aufgaben im Haushalt und der Betreuung ihrer anderen Kinder. Ihr Mann konnte ihr damals kaum helfen, war den ganzen Tag arbeiten. Die Geschwister Simon (53) und Anja-Carola (50) packten mit an, sobald sie alt genug waren. Zur Schwester hat Frank auch heute ein besonderes Verhältnis.

Den Sohn in ein Heim zu geben, das kam für die engagierten Eltern niemals infrage. Aber was wird aus Frank, wenn seine Mutter und sein Vater nicht mehr für ihn da sein können? „Darüber haben wir schon gesprochen“, berichtet Renate Kreuzer. „Meine Tochter und ihr Ehemann wollen Frank dann auf jeden Fall zu sich nehmen. Er fährt jetzt mit ihnen auch gemeinsam in den Urlaub, damit ich mal durchatmen kann.“ Wie schön, wenn man sich auf den Zusammenhalt in der Familie wirklich verlassen kann.