Rolf Reisten Zivilcourage Helden des Alltags

Zivilcourage ist seine Lebenseinstellung!

MUTIG! Dieser 83-Jährige stoppt Gewalttäter

Zivilcourage ist für diesen Mann kein Wort, sondern Lebensphilosophie. Auch wenn er dafür viel riskierte

Es ist dieser eine Tag, dieser eine kurze Moment, der ein Leben in ein „Vorher“ und „Nachher“ trennt. In dem aus einer gewöhnlichen Alltagssituation plötzlich die große Frage wird: Sehe ich weg oder zeige ich Zivilcourage? Bei Rolf Reisten (83) war es so ein Februartag wie immer. Er und seine Frau Karin (83) wollten spazieren gehen, um sich an den Krokusblüten zu erfreuen.

Doch mitten im Aschaffenburger Schöntalpark werden die beiden Zeugen, wie ein junger Mann lautstark mit seiner Freundin streitet. Als der Mann beginnt, seine Begleiterin zu schlagen, kann Rolf Reisten nicht länger untätig bleiben. „Da habe ich zu meiner Frau gesagt: ‚Da muss ich eingreifen‘“, erinnert er sich. Festen Schrittes geht der Bayer auf den Gewalttäter zu, versucht erst, mit Worten zu schlichten, will den jungen Mann dann von der Frau wegziehen. Doch der lässt sich nicht beruhigen, das Gemenge wird zum „richtigen Kampf“, wie Reisten schildert. Dabei bekommt der Rentner schließlich einen harten Schlag ins Gesicht ab und fällt zu Boden. „An die nächsten Minuten erinnere ich mich nicht.“

Er kommt erst wieder zu sich, als seine Frau und ein Passant ihm auf eine Parkbank helfen. „Der Passant hat auch den Notruf gewählt. Er war der Einzige, der geholfen hat“, erzählt Karin Reisten. Dass alle anderen wegsahen bei dem Kampf, das macht Rolf Reisten bis heute fassungslos. „Ich wünsche mir eine Welt, in der Menschen wieder mehr Zivilcourage zeigen.“ Natürlich mit Rücksicht auf die eigene Gesundheit.

Denn Rolf Reisten brachte seine Heldentat ins Krankenhaus. Diagnose: Schädelprellung mit einem Hämatom an der Schläfe. „Alles war grün und blau. Eine Woche lang schmerzte jeder Bissen.“ Was noch mehr schmerzte: Der Angreifer floh, konnte bis heute nicht gefasst werden. Dennoch: Rolf Reisten würde immer wieder eingreifen. Und auch wenn er von der fremden Frau nie ein Dankeschön gehört hat, für seine vier Enkeltöchter ist Opa ein wahrer Held!

Rolf Reisten Zivilcourage Helden des Alltags