Raphael Mathes mit seiner Oma Marianne

Raus aus dem Heim! Ich pflege Oma selbst

Raphael Mathes (36) kümmert sich um seine Großmutter mit einem eigenen Lebensmut-Programm

Eigentlich würde Marianne Mathes (88) jetzt wohl im Pflegeheim liegen, allein sein und das einzige Tages-Highlight womöglich in fader Großküchenkost sehen. Vielleicht hätte sie immer noch Pflegegrad fünf und magere 40 Kilo Körpergewicht – oder wäre sogar gar nicht mehr am Leben. Dass sie heute wieder so mobil ist und ihren Lebensabend daheim in Waldbrunn genießen darf, hat sie ihrem Enkel Raphael zu verdanken.

Der kann sich noch gut daran erinnern, als sie wegen eines epileptischen Anfalls 2019 in die Klinik kam und nicht mehr ansprechbar war. Die Prognosen waren damals so finster, dass Raphael aus seiner Wahlheimat Portugal anreiste – um Oma Lebewohl zu sagen. Er legte seine Hand auf ihr Herz und fing an, für sie zu singen. Und dann, wie durch ein Wunder, begann sie plötzlich mitzusummen. Für eine Zeit besserte sich ihr Zustand. Doch kaum war er im Süden zurück – der nächste Schock: Marianne, mittlerweile im Heim, baute dort zusehends ab, wurde dement. So fasste er 2020 mit seiner Mutter Christine (58) den Entschluss, seine Zelte in Portugal abzubrechen und Oma ins Elternhaus zu holen. Seitdem stemmen Mutter und Sohn das Projekt Pflege allein.

Ein ganzheitliches Gesundheitskonzept aus Yoga, Atemübungen, Meditation, gesunder Kost und natürlich viel Liebe sind das Erfolgsrezept des Yoga-Lehrers, von dem Marianne bis heute zehrt. Bei Pflegegrad zwei schafft sie wieder vieles fast allein, sodass Raphael sogar verreisen kann. Musste sie früher noch gefüttert werden, schnippelt sie mittlerweile die Kartoffeln selbst. Ab und an tanzt sie sogar mit ihrem Enkel zur Musik ihres Idols: Andrea Bocelli. In diesen Momenten ist sich Raphael sicher, dass dieser Weg goldrichtig war, und witzelt: „Sie wird uns noch alle überleben.“

Raphael Mathes; Familie, Pflege, Demenz