Ohne diesen 12-Jährigen würde Hilda nicht mehr leben

Als die 71-Jährige unterzugehen drohte und verzweifelt um Hilfe rief, zögerte Colin (12) keine Sekunde lang

Manche Ereignisse sind so einschneidend, dass Menschen durch sie für den Rest ihres Lebens miteinander verbunden sind. Hilda Kiesau (71) aus Hamburg hat dieses Gefühl, wenn sie an Colin Schubert (12) aus Enger (Nordrhein-Westfalen) denkt: Der Schüler war im Juli 2020 ihr Retter in höchster Not.

Rückblende. Wie jedes Jahr verbringen Colin und sein Vater Karsten (54) auch dieses Jahr ihren Urlaub in Dahme an der Ostsee. Als Colin am Donnerstag, 22. Juli, schwimmen geht, ist es bedeckt, eher kühl, das Meer unruhig. Auch Hilda ist im Wasser. Es reicht ihr bis zum Bauchnabel, sie fühlt sich sicher. Doch dann plötzlich bekommt sie die Füße nicht mehr auf den Boden. „Ich wurde runtergezogen und bekam Panik“, erinnert sie sich. Eine gefährliche Unterströmung hat sie erfasst! Immer wieder schluckt sie Wasser. Dann, nur rund 20 Meter entfernt, sieht sie einen Jungen und ruft so laut sie kann: „Hilf mir, bitte!‘“ Colin, ein sicherer Schwimmer mit Gold-Abzeichen, erfasst die Situation sofort. „Ich schwamm zu ihr und hielt ihren Kopf über Wasser, damit sie noch Luft bekam“, erzählt er.

Obwohl er gut schwimmen kann und sie nahe am Ufer sind, ist die Rettung kein Spaziergang. „Ich konnte gerade so noch auf meinen Füßen stehen.“ Er mobilisiert all seine Kraft, hält Hilda so fest es geht. Und das kleine Wunder gelingt: Er schafft es mit ihr ans rettende Ufer.

Beide sind völlig fertig, müssen erst mal tief durchatmen. Hilda: „Colin ging es auch nicht gut. Er hat furchtbar gezittert.“ Ende gut, alles gut – und wie! Zweimal schon haben sie sich seither wiedergesehen. „Einmal war ich mit meinem Vater in den Herbstferien in Hamburg, dann über Sylvester. „So ein Erlebnis verbindet“, sagt Hilda, die ihr Glück immer noch nicht fassen kann. Vielleicht treffen sie sich diesen Sommer ja in Dahme wieder – für beide ein denkwürdiger, ein unvergesslicher Ort.