Meine Nachbarn gaben mir den Lebensmut zurück

„Ohne meine Nachbarn hätte ich nicht gewusst, wie ich all das durchstehen soll“, sagt Daniela Süß (37), zweifache Mutter – und Witwe. Sie war gerade mit ihrem Mann Bernd und Söhnchen Joris nach Hohenholte in Westfalen gezogen und hatte sich den Traum vom Eigenheim erfüllt, als sie zum zweiten Mal schwanger wurde. Alles Glück der Welt schien auf sie zu warten, als das Schicksal sich gegen sie wandte: Acht Wochen vor der Entbindung des Babys wurde bei Bernd Bauchspeiseldrüsenkrebs diagnostiziert, extrem aggressiv, nur wenige Monate Lebenserwartung blieben ihm!

Doch es waren Menschen, die sie kaum kannten, die sie auffingen. Marlies (70) und Paul (73) etwa von nebenan, die auf Joris aufpassten, wenn Daniela wieder mit ihrem Mann ins Krankenhaus fahren musste. Wiltrud (60), die sich um Hündin Carla kümmerte. Oder Nachbarin Anna (33), die noch heute regelmäßig vorbeischaut, um sicherzugehen, dass es
allen gut geht: „Daniela weiß, meine Tür ist immer offen.“

Durchgehende Chemotherapie und eine Diagnose, die jede Hoffnung raubte, bei Bernd; dazu Danielas Schwangerschaft und ein Kleinkind – das verlangte der Familie alles ab. Umso wertvoller war es, nach Hause zu kommen und mal frisch gewaschene Wäsche oder einen Topf warme Suppe zu finden. „Sie haben alle nicht gefragt, sondern einfach gemacht. Das war genau das Richtige“, sagt Daniela. Nach Hilfe zu fragen, dafür fehlte ihr oft die Kraft. Das spürten ihre Nachbarn. „Alle hatten hier immer ein offenes
Ohr für mich – bis heute.“

Am 8. Januar 2020 starb Bernd Süß mit nur 44 Jahren. Töchterchen Luise ist heute drei Jahre alt, Joris ist vier. Und Daniela schafft es, auch dank ihrer Nachbarn, nach vorn zu schauen. Sie ist sicher: „Hier ziehe ich nie mehr weg!“