Jeremias kämpft für arme Kinder!

Die Eltern langzeitarbeitslos, das Geld immer knapp: Jeremias’ Zukunft schien schwierig. Doch dann zeigte er allen, was in ihm steckt!

Mit elf Jahren traf Jeremias Thiel (19) eine unglaubliche Entscheidung: Er ging zum Jugendamt, weil er weg wollte von zu Hause, weg von seinen Eltern. „Dieser Moment war der absolute Tiefpunkt. Und gleichzeitig der absolute Höhepunkt. Danach wurde alles anders“, schreibt er in seinem bewegenden Buch „KEIN Pausenbrot, KEINE Kindheit, KEINE Chance“. Er lebte in Kaiserslautern ohne Perspektive: Mutter und Vater psychisch krank, Hartz IV-Empfänger, oft stehen sie morgens gar nicht erst auf. Jeremias musste immer stark sein, die Familie zusammenhalten: Einkaufen, Waschen, Essen kochen, Organisation, Streitschlichtung. Sobald er in der Schule schreiben gelernt hat, muss er sogar die Anträge auf Sozialhilfe ausfüllen. Jeremias spürte, dass er daran zerbrechen könnte, rang mit sich, täglich, Jahre, bis er tatsächlich ging…

In einem SOS-Kinderdorf bekam Jeremias, was er am meisten brauchte: Struktur, Zuwendung, Hoffnung. Und er nahm das Geschenk des Neuanfangs nicht nur an, er gibt es seit jenem 10. September 2012 auch unermüdlich an andere weiter. Der Junge machte sich in der Schule für Kinderrechte stark, wurde mit 15 Mitglied des UNICEF-Juniorbeirats, schaffte das Abitur! Und nicht nur das: Vor einem Jahr ergatterte Jeremias ein Stipendium in den USA. Sein Fach: Politikwissenschaften. Er weiß genau, was er will: „Ich möchte denen eine Stimme geben, die sonst nicht gehört werden.“

Seine Forderungen sind klar: Ganztagsschulen für alle gegen die Strukturlosigkeit daheim, eine preisgünstige Mobilisierung, um nicht im eigenen Brennpunkt-Stadtteil gefangen zu sein und die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz. Deshalb hat er seine Geschichte aufgeschrieben, deshalb geht er in Talkshows, wo er Politikern ins Gewissen redet. Erst, wenn alle die gleichen Chancen haben, ist Jeremias‘ Mission beendet.