Jana verwandelt Einsamkeit in Lebensfreude (Endziffer -01)

Traurigkeit und Leere. Ein Gefühl, als wäre ich nicht vollständig.“ So beschreibt Jana Zeh (21) im Gespräch mit auf einen Blick, was Einsamkeit für sie selbst bedeutet. Die junge Frau weiß, dass sie mit diesen komplexen Gefühlen nicht allein ist und gründet deshalb kurz entschlossen eine ganz besondere Selbsthilfegruppe.

Jana war 17 Jahre alt, gerade dabei, Abitur zu machen, als ihr die Idee kam. Sie selbst hatte schon mit mehreren psychologischen Problemen zu kämpfen und fühlte sich damit in ihrer ländlichen Heimat aufgeschmissen. „Man redet hier über so was nicht. Unterstützung gibt es, wenn überhaupt, erst in der nächsten großen Stadt“, sagt sie über die Chiemsee-Region.

Also beschließt sie, zunächst anonym, einen Aufruf auf Facebook für eine Gesprächsgruppe zu starten. Die Resonanz ist groß und das Projekt „Ich bin nicht allein“ war geboren. „Wir sind ein kunterbunter Haufen“, sagt Jana über die ca. 25 Teilnehmer. Von 16 bis 80 ist jedes Alter dabei. Manche haben psychische Probleme, andere körperliche Krankheiten oder machen gerade eine Krise durch. Was sie aber alle gemeinsam haben: Sie fühlen sich einsam. „Bei uns sind alle willkommen. Unsere Gruppe ist nicht nur für eine ganz bestimmte Art von Betroffenen“, erklärt Jana ihr Konzept. In den Gesprächsrunden geht es sehr familiär und locker zu. Jeder bekommt Zeit, sich mitzuteilen. Dafür werden kleinere Gesprächsgruppen gebildet, es wird gespielt und auch mal gesungen. „Mir geht es bei den Treffen auch darum, Freude zu vermitteln.“

Ein Konzept, das aufgeht. Manch ein Teilnehmer nimmt mehrere Stunden Autofahrt für die zweiwöchentlichen Sitzungen auf sich. Ein Zeichen dafür, wie sehr Angebote wie dieses in Deutschland gebraucht werden. „Ich bin gerade in Kontakt mit jemandem in NRW, der dort genauso eine Gruppe gründen will“, sagt die Studentin der Gesundheitswissenschaften. „Vielleicht kann die Idee bald Leuten im ganzen Land das Leben etwas erleichtern.“ Als Heldin sieht sie sich aber nicht. „Das Projekt hilft mir schließlich auch selbst und erfüllt mich sehr. Ich freue mich einfach, wenn ich anderen damit helfen kann.“