Für Kinder in Not wird er zum Superhelden

Wünschen wir uns jetzt nicht alle einen Super-Helden? Michel (42) macht es vor, im Einsatz für die Kleinsten unserer Gesellschaft

Von wegen Super-Helden gibt’s nur im Film oder Comic: Kostüm an – und schwups, aus dem Schweizer Michel Fornasier (42) wird der einhändige „Bionicman“, der sich wie jeder Super-Held für Schwächere starkmacht. In seinem Fall sind es Kinder mit fehlender Hand, fehlendem Bein – Kinder, die im Rollstuhl sitzen und deshalb viel Zuspruch und Selbstvertrauen brauchen.

Einst gehörte er selbst dazu: Michel wurde ohne rechte Hand geboren. „Ich hatte immer Angst, wegen meines Handicaps abgelehnt zu werden“, sagt er im Gespräch mit auf einen Blick. Lange versuchte er, seine Behinderung zu verstecken: „35 Jahre lang habe ich die Jacke über den Armstumpf gezogen oder ihn in der Hose untergebracht.“ Dann bekam er eine bionische Handprothese (mit Motoren) und beschloss: Schluss mit dem Versteckspiel! Und siehe da: Plötzlich kam viel positiver Zuspruch.

Als ihn dann auch noch ständig Kinder auf seine silberne „Zauberhand“ ansprachen, fragten, ob er Superkräfte hätte, beschloss er, wirklich zum Super-Helden zu werden, und erfand „Bionicman“. So verkleidet, macht er seitdem in Schulen und Kliniken im gesamten deutschsprachigen Raum Kindern mit und ohne Handicap Mut: „Ich möchte zeigen, dass man Schwächen in Stärken verwandeln kann.“

Immer wieder hat er berührende Begegnungen, die ihn motivieren, weiterzumachen: „Ein Vater aus Deutschland hat mir erzählt, dass sein 12-jähriger Sohn, der keine linke Hand hat, in der Schule von zwei älteren Jungen wegen seiner Behinderung gemobbt wurde. Der Junge stellte sich dann ganz tapfer vor sie und sagte: ,Ja, ich habe nur eine Hand. Aber der ‚Bionicman‘ hat auch nur eine Hand!‘“

Kindern Mut machen, zu ihren Schwächen zu stehen, Berührungsängste abbauen, die Welt gleicher machen – das ist Michels Mission: „Ich wünsche mir eine Welt, in der alle gleich besonders sind.“ Er hat mit einem befreundeten Zeichner auch schon zwei Comics herausgebracht, der dritte erscheint Ende des Jahres. Und dann gibt es da noch seine Stiftung „Give Children a Hand“, die dafür sorgt, dass besondere Kinder besondere Prothesen bekommen. Einmal Super-Held, immer Super-Held. Mit oder ohne Cape.