Hanan Albattah, Geschwister, Schulbetreuung

Für ihre Geschwister ist ihr kein Opfer zu groß (Endziffer -04)

Wie eine junge Frau trotz schwierigster Umstände für die Zukunft ihrer Geschwister kämpft

Mathe in der 7. Klasse, danach Sachkunde mit den Drittklässlern und anschließend mit allen auf den Spielplatz. Was nach einem typischen Tag einer Lehrerin klingt, war für Hanan Albattah (19) viele, schier endlose Monate lang Alltag. Mit dem Unterschied: Sie ist gar kein Profi und die Kinder sind ihre fünf Geschwister im Alter von vier bis 17 Jahren.

Geschlossene Schulen und Kitas während des Lockdowns wurden zur Zerreißprobe für die achtköpfige Familie, da die Eltern beide Vollzeit in der Lebensmittelbranche arbeiten und daheim kaum helfen konnten. Hanan, die Älteste, versuchte, einen kühlen Kopf zu bewahren. Gar nicht so einfach, wenn der Jüngste (Omar, 4) mit dem Tretroller durch die Wohnung rast und Nouri (10) und Hagar (11) dringend Hilfe bei den Hausaufgaben benötigen. Dazu kam Hanans eigene Ausbildung zur Sozialassistentin, die ebenfalls online lief. Chaos pur, jeden Tag! Aufgeben kam und kommt für Hanan aber nicht infrage, für sie sind all die Opfer selbstverständlich: „Ich bin so aufgewachsen: Einer für alle und alle für einen.“ Leichter gesagt als getan. Besonders, weil Hanan und ihre Familie erst vor fünf Jahren von Syrien nach Deutschland kamen. In Syrien besuchte sie nur die 2. Klasse. Angekommen in Deutschland wurde sie in die 10. Klasse gesteckt – ohne ein Wort Deutsch zu können. Ein schwerer Start für Hanan: „Ich habe jeden Tag geweint.“ Aber sie kämpfte, büffelte täglich Deutsch, schaffte ihren Abschluss und begann die Ausbildung.

Obwohl ihre Geschwister, die Lehrer und die Ausbildung täglich ihre Nerven strapazierten, hielt sie durch: „Ich denke nicht gerne nur an mich, sondern auch an alle anderen.“ Und das merkt man!

Hanan Albattah, Geschwister, Schulbetreuung