Freundschaft ist die beste Seelenmedizin

Das unglaubliche Schicksal der Stefanie Ewald

…und wie ihre vier Freundinnen ihr durch den beschwerlichen Alltag helfen und Mut und Kraft geben

Wenn Stefanie Ewald (35) erzählt, teilt sie ihr Leben in zwei Hälften. Da gibt es dieses Leben vor der Diagnose, das sie als „stinknormal“ bezeichnet und das für sie heute oft wirkt wie die Geschichte einer anderen Frau. Und dann gibt es das Leben heute. Die Realität, die Außenstehenden den Atem nimmt.

Nach dem Krebstod ihres zehnjährigen Sohnes Ende 2019 starb im März dieses Jahres auch ihr Mann Sebastian (37) an einem gestreuten Lungenkrebs. Ihre Tochter Neele (7) hatte schon einen Tumor im Oberschenkel, kämpfte sich durch diverse Chemos. Und als wäre das alles nicht genug, wurde kürzlich auch bei Stefanie selbst aggressiver Brustkrebs diagnostiziert (auf einen Blick berichtete).

Ein „stinknormales“ Leben wie früher ist für die junge Mutter seither nur noch eine leise Hoffnung. Der Grund ist ein äußerst seltener Gendefekt: das Li-Fraumeni-Syndrom, welches häufige und frühe Krebs-Erkrankungen auslöst. Alle, bis auf die kleinste Tochter Lenja tragen dieses Gen in sich. „Es gibt auch Tage, an denen ich nur noch Schwarz sehe. An denen ich kaum Kraft habe aufzustehen“, gesteht Stefanie.

Doch zum Glück hat sie Schutzengel, die ihr auf Erden beistehen. Treue Freundinnen, die sie stützen, wenn mal wieder alles über ihr einzustürzen droht. Für die Freundschaft nicht nur ein Wort, sondern eine Lebenseinstellung ist. In guten und in diesen tiefdunklen Tagen. Andrea Hieke hilft Stefanie, Arztberichte und Diagnosen richtig einzuordnen. Ines Bober besucht Stefanie fast jeden zweiten Tag, denn ihr Sohn war mit Jonas eng befreundet. Sie kocht mit ihr und achtet darauf, dass sie ausreichend isst, spielt mit den Kindern und ist eine große Stütze im manchmal beschwerlichen Alltag. Nadine Weiner und Susann Schreiber generieren z.B. Spenden für Therapien, Ausflüge und Co..

Kennengelernt haben sich alle vor über zehn Jahren beim Geburtsvorbereitungskurs des verstorbenen Jonas. Über die Zeit sind sie zu einer Einheit zusammengewachsen und besprechen beim wöchentlichen Kaffeetrinken alles, was so anfällt. Dabei werden aber nicht nur Probleme gewälzt, auf einen Blick sondern es wird auch mal herzlich miteinander gelacht. Das ist allen, aber besonders Stefanie wichtig ist, denn diese seltenen Glücksmomente geben ihr viel Kraft.

Ein heller Silberstreifen am Horizont ist auch die von ihren Mädels initiierte Spendenkampagne (www.gofundme.com/f/familieewald). Menschen aus Deutschland und Europa spenden nicht nur Geld, sondern bauen Steffi mit lieben Worten auf. Susann Schreiber ist begeistert: „Gerade in den heutigen Zeiten, wo die Welt einem das Gefühl vermittelt, dass es nur noch wenig Menschlichkeit gibt, hat diese Anteilnahme alle vom Gegenteil überzeugt.“ Das ist etwas, was alle für immer in ihren Herzen tragen werden – komme, was wolle.