Dieses mutige Duo stoppte Kinderfänger

Niemand weiß, wie viele Unglücke verhindert werden könnten, wenn wir im Alltag häufiger hinschauen würden, statt wegzusehen. Wieviel Leid jedoch durch Zivilcourage verhindert werden kann, zeigt dieser Fall:

Es ist ein sommerlicher Donnerstagabend auf einem Spielplatz in Berlin-Friedrichshain. Die 27-jährige Heike S. (Name geändert) will sich mit ihrer zweijährigen Tochter auf den Heimweg machen, als sie eine ungeheuerliche Szene beobachtet. Ein groß gewachsener, ungepflegter Mann spricht ein kleines Mädchen in einem dunkelblauen Sommerkleid an, dessen Mutter nur für einen kleinen Moment abgelenkt ist. Dann geht es schnell: Der Mann nimmt das Kind auf die Schultern und läuft los. Nicht auszudenken, was er vorhat: Eine Entführung? Missbrauch? Noch Schlimmeres…?

„Für mich war klar, dass ich hinterher muss“, erinnert sich Heike S. Sie bittet den Kiosk-Verkäufer Zoran Z. (44) um Hilfe, der sich dem über 1,90 Meter großen und alkoholisierten Mann direkt in den Weg stellt. „Er war mein Glück“, erzählt die 27-Jährige erleichtert nach dem Vorfall.

Von Zoran auf die Situation angesprochen, bestätigt der Täter, dass das Mädchen nicht zu ihm gehöre. Auf die Frage, weshalb er die 2-Jährige vom Spielplatz entführt habe, antwortet der Mann: „Ich liebe Kinder.“

Der Kiosk-Verkäufer redet eindringlich auf den Mann ein und bewegt ihn dazu, sich zum Spielplatz führen zu lassen. Dort wartet die völlig aufgelöste Mutter der Kleinen und die von ihr verständigte Polizei.

Der Kinderfänger, stellt sich heraus, ist psychisch krank und der Polizei bekannt. Er wird in Gewahrsam genommen, kommt jedoch noch am selben Abend wieder auf freien Fuß, da, wie es im Behördendeutsch heißt, „keine Anhaltspunkte für eine böse Absicht“ vorliegen. Dazu Zoran Z.: „Ich verstehe das nicht. Warum muss immer erst was passieren, bis jemand weggesperrt wird?“

Gegen den Täter wird nun wegen des Verdachts auf Kindesentzug ermittelt, die Höchststrafe liegt bei fünf Jahren Haft. Zoran leidet seit dem Vorfall unter Schlaflosigkeit. Die Vorstellung, was alles hätte geschehen können, quält ihn: „Ich wache nachts auf, bin schweißgebadet.“ Doch er sagt vor allem auch: „Ich bin froh, dass ich helfen konnte!“