Diese Liebe ist stärker als das Vergessen

Ihr Mann wird immer mehr Fähigkeiten verlieren. Doch solange es geht, kämpft Ute (53) für sein selbstbestimmtes Leben…

Er ist erst 55. Doch als Bernhard 2018 die Diagnose „Frontotemporale Demenz” erhielt, war es für seine Frau Ute eher ein Befreiungsschlag: Endlich hatte die heute 53-Jährige eine Erklärung dafür, warum sich das hilfsbereite Wesen ihres Mannes so verändert hatte und er kein liebevoller Papa mehr für ihre beiden Söhne Tilo (14) und Rio (19) sein konnte…

Bernhards Form der Demenz ist sehr selten, das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt zwischen 50 und 60 Jahren. Noch kann er sich anziehen, selbständig auf die Toilette gehen oder Kaffee für sich kochen, was er am liebsten tut. Der gelernte Ingenieur fährt täglich E-Bike, spielt Volleyball, macht Ausflüge alleine. Das funktioniert nur, weil Ute die Welt für ihn sicher macht und ein Netzwerk aus Freunden und Bekannten geschaffen hat, die ihn zeitweise betreuen und die Freundschaft zu ihm pflegen. „Man spricht dann von gewährender Pflege“, erklärt die Freiburgerin. „So kann mein Mann so selbstbestimmt wie möglich leben. Aber ohne das Netz würde ich es nicht schaffen.”

Der Alltag verlangt Ute, Hebamme im Schichtdienst, viel ab. „Meine größte Sorge ist, dass er auf seinen Ausflügen Gewalt erfahren könnte“, erzählt sie. „Doch Hadern bringt nichts, sondern kostet nur Kraft.“ Die Liebe zu ihren Söhnen, für die sie Vorbild sein will, lässt sie nicht aufgeben. Und kleine Glücksmomente. Wenn Utes Mann strahlend von einem Ausflug heimkehrt und ihr trotz schweren Sprachverlustes mitteilt, dass er einen Kaffee trinken war. Oder die Momente, in denen Bernhard auf seine Frau zugeht und sie weiß: „Er meint mich. Dann spüre ich pure Liebe.“ Und: Ute hat noch eine andere Mission: Sie möchte Berührungsängste nehmen und Brücken bauen, wie sie sagt.

Auch das ZDF berichtet in „Sein Leben mit dem Vergessen” (Di, 10.5., 22.15 Uhr) über die tapfere Familie. „Weil ich zeigen will, dass auch ein Leben mit dieser Krankheit lebenswert ist”, sagt Ute. „Wenn alle ein bisschen mithelfen.”