Bevor ich gehen muss, will ich die Welt besser machen (Endziffer -09)

Antonia (20) ist unheilbar krank. Ihre wenige verbleibende Zeit nutzt die junge Frau, um sich für Schwächere einzusetzen

Als Antonia Ringborg mit erst zwölf Jahren erfuhr, dass sie einen Hirntumor hat, dachte die Kasselerin nicht: „Das ist unfair!“ oder bemitleidete sich selbst. Nein, sie dachte etwas ganz anderes: Wie gut es ihr doch geht, weil sich so viele Mediziner um sie kümmern. Und sie fand es ungerecht, dass Menschen in ärmeren Ländern eine solche Versorgung nicht bekommen. „Da habe ich beschlossen, mich für andere einzusetzen“, sagt Antonia zu auf einen Blick.

Es würde ausreichen, diese Geschichte über sie zu erzählen, um zu zeigen, dass sie eine wahrhaftige Heldin ist. Doch das würde der todkranken jungen Frau nicht gerecht werden. Seit sieben Jahren engagiert sich die heute 20-Jährige, die bei ihrer ersten Hirn-OP einen schweren Schlaganfall erlitten hat, als Aktivistin bei Greenpeace. Seit Februar setzt sie sich zudem für Geflüchtete ein. Das war ihre Reaktion auf die Nachricht, dass sie nur noch ein Jahr zu leben habe. „Ich habe keine Lust, zu sterben, ohne einen Unterschied gemacht zu haben“, so Antonia. Mit ihrem Verein „Antonia Ringborg Spendengemeinschaft“ hat sie bereits 60 000 Euro für die UNO-Flüchtlingshilfe gesammelt. Ihre verbleibende Zeit will sie nun auch nutzen, um Spenden für die Covid-Hilfe in Indien zu generieren.

Das Einzige, was Antonia beunruhigt, ist, dass ihr vielleicht nicht mehr genug Zeit bleibt. Angst vor dem Tod selbst hat sie nämlich nicht. „Mir hat ein Zitat aus Harry Potter geholfen“, sagt sie. „Es lautet: Das Einzige, was wir an der Dunkelheit und dem Tod fürchten, ist das Ungewisse.“ Antonia, die früher Angst im Dunklen hatte, hat dann das Licht ausgemacht. Als Test. „Ich stellte fest, es passiert: nichts. Wenn der Tod genauso ist, muss ich ihn auch nicht fürchten.“