Gemeinsam kämpfen sie gegen das Vergessen

Mit nur 32 Jahren erkrankte die Hauswirtschafterin. Aber ihre Liebe ist stärker als die Demenz.

Familie Reiß-Naumann Demenz gegen das Vergessen

Er bringt das Kind zur Schule, macht den Haushalt – und all das neben seinem Beruf. Karl-Heinz kümmert sich wirklich aufopferungsvoll um seine Familie. Leider hat das einen sehr traurigen Grund: Seine Frau hat Demenz.

Als Silke Reiß-Naumann erkrankte, war sie erst Anfang 30 und die Ärzte ratlos. „Ich musste unzählige Untersuchungen über mich ergehen lassen,“ erzählt die Niedersächsin im Gespräch mit auf einen Blick. Dann die Schockdiagnose: Silke leidet an frontemporaler Demenz, die die Persönlichkeit verändert, und an Alzheimer, die für ihre Gedächtnisstörungen sorgt. „Für mich ist eine Welt zusammengebrochen.“ Ihren Beruf musste sie aufgeben, ihr Verlobter trennte sich von ihr, viele Freunde wandten sich ab. Doch aufgeben kam nicht infrage. „Es hat eine Weile gedauert, aber ich beschloss: Nicht die Krankheit beherrscht mich, sondern ich sie.“

Und heute? Heute versucht Silke, das Leben mit ihrer jüngsten Tochter Letizia und ihrem Mann jeden Tag so gut es geht zu genießen. Als das Paar sich kennenlernte, erzählte Silke Karl-Heinz sofort von ihrer Krankheit.

Für den Lkw-Fahrer war das aber kein Grund, sich von ihr abzuwenden. Im Gegenteil! Er wuchs über sich hinaus. Jeden Tag gibt er Silke aufs Neue Kraft, fährt mit ihr regelmäßig kilometerweit zu Spezialisten. Auch wenn diese für Silke keine Heilung parat haben. „Ich hätte erwartet, dass es ihm alles zu viel ist“, erzählt Silke. Aber Karl-Heinz ist und bleibt ihr Fels, ihre Seelenmedizin. „Eigentlich dürfte ich schon gar nicht mehr ich selbst sein“, so Silke. Ohne die Liebe ihrer Familie als Anker hätte sie sich selbst schon lange verloren.