Geflohen aus der Ehe-Hölle

Petra Liermann (47) floh mit ihrer Tochter Mariam (10) vor ihrem gewalttätigen Ehemann aus Ägypten

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Für viele ist Ägypten ein Urlaubsparadies, für Petra Liermann (47) aus Witten (NRW) war es die Hölle: 2011 musste sie mit ihrer Tochter Mariam (heute 10) von dort fliehen, weil ihr ägyptischer Mann sie brutal misshandelte …

Rückblende: 2004 beschließt die leitende Angestellte, in Ägypten neu anzufangen. Nahe Hurghada findet sie einen Job als Chefsekretärin einer Hotelkette, kauft eine Wohnung, lernt den Ägypter Sayed (45) kennen und lieben. Der Manager einer Autovermietung ist westlich eingestellt. „Er hat im Haushalt mitgeholfen, wir konnten tolle Gespräche führen“, erinnert sie sich. Sie heiraten, 2007 wird Mariam geboren.

Doch drei Jahre später fangen die Probleme an: „Er ließ uns oft alleine, und wenn er da war, schrieb er ständig SMS.“ Als sie ihm die Pistole auf die Brust setzt, bricht es aus ihm heraus: Er hat mit einer 16-Jährigen geschlafen, muss sie nach ägyptischem Recht heiraten oder ins Gefängnis. „Ich war völlig geschockt“, sagt Petra.

Er heiratet das Mädchen. Als Petra mitbekommt, dass Sayed die junge Frau brutal verprügelt, weiß sie: Sie muss weg, sonst ist sie die Nächste. Sie versucht, ihre Fluchtpläne geheim zu halten, Sayed aber merkt, dass etwas nicht stimmt. Er sperrt Petra zehn Tage in ihre Wohnung ein. Kaum zurück, schlägt er sie stundenlang, dann schottet er sie ab. Petra spürt: Jetzt geht’s um Leben und Tod! So wie einst bei Betty Mahmoody, die im Iran gefangen war.

Als Sayed wenig später zu einem Termin muss, ergreift Petra ihre Chance. Mithilfe eines befreundeten ägyptischen Anwalts und viel Glück gelingt ihr die Flucht: „An der Kontrolle im Flughafen Hurghada ging man wohl davon aus, der Anwalt sei mein Mann und ließ mich deshalb mit Mariam durch.“

Am 15. Oktober 2011 landet sie in Frankfurt, wo sie erstmal bei ihrer Mutter unterkommt. Sie hat nichts, ist auf Kleiderspenden angewiesen. Doch sie nimmt ihr Leben in die Hand, schreibt sich die Qualen von der Seele („Sand in ihren Schuhen“, Franzius Verlag, 12,90 Euro), findet einen Job als freie Lektorin.

Bis heute bekommt sie Morddrohungen von Sayed („Dass wir beide katholisch wurden, ist mein Todesurteil“). Das ist auch der Grund, warum Petra gebeten hat, ihre Tochter nicht offen im Foto zu zeigen.