Er hilft einem Blinden, die Welt zu sehen

Statt allein seine Rente zu genießen, will der 66-Jährige lieber Jochen Ehlers (30) helfen – das Reisen macht die beiden zu besonderen Kumpels

Blind gemeinsam Reisen Jochen Ehlers Herbert SwyterGeschafft! Endlich sind die Männer am südwestlichsten Punkt Europas angelangt: Jochen Ehlers wollte schon immer mal am Cap Sant Vincente in Portugal stehen. Ganz ruhig atmet er ein und lauscht den rauschenden Wellen. Sehen kann er sie nicht, da der 30-Jährige von Geburt an blind ist. Doch glücklicherweise hat er Herbert Swyter (66) an seiner Seite, der ihn ganz vorsichtig an die Steilküste führt und die atemberaubende Kulisse so bildhaft beschreibt wie nur möglich.

Aus Jochens und Herberts Portugal-Reise im letzten Jahr ist eine besondere Freundschaft entstanden, denn die beiden kommen im Grunde aus zwei völlig unterschiedlichen Lebenswelten.

Herbert, der mehr als 40 Jahre als Flugzeugmechaniker gearbeitet hat und in Groß Niendorf wohnt, könnte eigentlich hinfahren, wohin er will und müsste sich um niemanden kümmern. „Aber das Reisen war schon immer eine große Leidenschaft von mir und ich wollte sie teilen“, sagt der Rentner. Er erfährt vom Reiseanbieter „Weitsprung-Reisen“, der Menschen mit Behinderung, die auf Hilfe angewiesen sind, an ehrenamtliche Betreuer vermittelt. „Bevor es losging, war ich ganz schön aufgeregt.“

Doch er und Jochen verstehen sich auf Anhieb. „Herbert hat mir sofort viel erklärt und menschlich passen wir einfach sehr gut zusammen“, sagt der Verwaltungsfachangestellte, der in Bremen lebt. Während Herbert ihm Gebäude und Straßen beschreibt, nimmt Jochen seinen neuen Freund in seine Welt mit. „Ich zeige ihm, wie ich mich orientieren kann.“

Entdecken möchte das ungleiche Reise-Duo noch eine ganze Menge. Herbert hat auch schon eine Idee: „Ich würde Jochen unheimlich gerne Asien zeigen. Am liebsten Laos, da gibt es so viele Geräusche und Gerüche, das würde ihm sicher gut gefallen.“