Bei ihr hat Einsamkeit keine Chance

Das Netz der Herzen gegen Einsamkeit

Silbernetz Gründerin: Elke Schilling

Die Kinder sind lange schon aus dem Haus und wohnen weit weg, der Partner ist vielleicht schon verstorben, und Kontakt zu Freunden und Bekannten gibt es kaum noch: Viele ältere Menschen haben im Alltag niemanden zum Reden, fühlen sich allein, manchmal auch einsam. Elke Schilling (74) hat selbst erlebt, wie abgeschieden manche Menschen im hohen Alter leben: Vor sechs Jahren war sie es, die den Tod ihres Nachbarn meldete – nachdem er bereits drei Wochen in seiner Wohnung lag, da ihn niemand vermisst hatte. „Es kann einfach nicht sein, dass ein Mensch umkommt und dann liegt, liegt, liegt, bis es jemandem endlich auffällt“, erinnert sich die Wahl-Berlinerin an ihren ersten Gedanken nach diesem tragischen Vorfall.

Schon kurze Zeit später war die Idee für das Projekt „Silbernetz“ geboren, eine Hotline, die älteren Menschen die Möglichkeit gibt, einfach mal wieder mit jemandem zu reden. Und weil Elke Schilling eine Frau ist, die anpackt, suchte sie sich Mitstreiter, setzte sich für alle Genehmigungenmit Behörden auseinander und kämpfte vier lange Jahre für ihre Idee. Besonders der Kampf um Fördermittel für „Silbernetz“ war kräftezehrend. Doch Weihnachten 2017 war es dann endlich so weit: Erstmals konnten sich Anrufer beim Hilfetelefon melden – zunächst nur zu bestimmten Terminen, weil
unter anderem die Finanzierung für das Projekt nicht gesichert war. Seit September 2018 erreicht man aber täglich jemanden. Vielleicht nicht fürs Leben, aber fürs Reden. Bis zu 40 Gespräche führen die neun Mitarbeiter in der „Silbernetz“-Geschäftsstelle in Berlin-Pankow heute jeden Tag. Die meisten von ihnen sind selbst schon älter, viele haben auch ein körperliches Handicap und kamen über das Jobcenter zum „Silbernetz“-Telefon. Nachdem sie für die behutsame Gesprächsführung ausgebildet wurden, arbeiten sie nun in Schichten von drei bis vier Stunden in der Anrufzentrale. Auch danach bekommen die Mitarbeiter regelmäßig eine Schulung, teilweise von Therapeuten, die ihre Unterstützung ehrenamtlich anbieten.

Wer wann mit welchen Sorgen und Bedürfnissen anruft, wissen die Telefonisten nicht. Jeder Anruf birgt eine Überraschung. Manche Gespräche dauern nur wenige Minuten, andere gehen schon mal über eine Stunde. Auch Elke Schilling, die früher ehrenamtliche Seelsorgerin war, sitzt selbst noch am Telefon, wenn es die Zeit zulässt. „Was wir geben, ist Zeit, ist Zuhören, ist Teilhabe, ist Wertschätzung“, fasst sie die Arbeit am Telefon zusammen. Doch „Silbernetz“ bietet nicht nur ein offenes Ohr, sondern gibt Anrufern auch Tipps für Unternehmungen in der Nachbarschaft und vermittelt professionelle Hilfe von Pflegern oder Therapeuten, wenn das nötig wird. Haben die Anrufer „nur“ Redebedarf, hören sie zu. Wer möchte, kann sich aber auch einen festen „Silbernetz“- Freund zuteilen lassen, der sich einmal die Woche zu einem vereinbarten Zeitpunkt meldet und „seinen“ einsamen Menschen bei den ersten Schritten aus der Isolation behutsam begleitet. Selbst anrufen kann man die kostenfreie Nummer 0800-47 08 090 zurzeit allerdings nur aus dem Berliner Festnetz.

Doch Elke Schilling und ihre Mitstreiter wollen mehr: „Seit Ostern haben wir unsere Erreichbarkeit verlängert und sind jetzt von 8 bis 22 Uhr am Telefon“, erzählt sie stolz. Und auch in anderen Regionen soll das Angebot möglichst bald zur Verfügung stehen. „Es ist bereits ein Treffen geplant, auf dem wir beraten, wie die „Silbernetz“-Idee in anderen Bundesländern umgesetzt werden kann.“ Schließlich gibt es nicht nur in der Hauptstadt Senioren, die jemanden zum Reden brauchen. Wird ihr das nicht alles irgendwann zu viel? Die engagierte 74-Jährige beruhigt: „Ich habe immer noch Zeit, mit meinen Enkelkindern unterwegs zu sein und mit Freundinnen mal ins Theater zu gehen.“ Wie schön, dass Alleinsein für sie persönlich überhaupt kein Thema ist …

 

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