Dieses Mädchen befreit die Welt vom Plastik

Vanessa ist erst neun, aber schon eine ganz große Umweltschützerin

Der Tag, der ihr Leben veränderte, war ein sonniger Tag: Vanessa Bosse radelte gerade mit ihrer Mutter Susanne durch die beschauliche Gemeinde Riegsee im bayerischen Garmisch-Partenkirchen, als ihr auffiel, dass etwas in dieser Idylle nicht stimmte. An jedem Haus stapelten sich die Gelben Säcke mit Unmengen Verpackungsmüll. „So geht es nicht, wir müssen den Leuten mal zeigen, wie viel Plastik sie verbrauchen“, rief Vanessa. Auf ihre Worte ließ sie Taten folgen.

Zwar ist die aufgeweckte Viertklässlerin erst neun Jahre alt, doch schon eine echte Heldin in Sachen Umweltschutz. Binnen eines Monats setzte sie alle Hebel in Bewegung, um die Massen an Plastikmüll zu bekämpfen. „Sogar in unseren Haaren befinden sich Spuren von Plastik, denn es steckt auch in unserem Shampoo“, weiß sie.

Tatsächlich sammelt sich nirgendwo in Europa so viel Plastikmüll wie in Deutschland: 220 Kilo sind es pro Einwohner und Jahr! Er schwimmt in den Meeren, steckt in Zahnbürsten und Telefonen und umgibt uns somit fast ständig und überall.

Im März bat Vanessa daher alle Bewohner, ihre Gelben Säcke bereits einen Tag, bevor die Müllabfuhr zur Abholung kam, herauszustellen. Mit Familie, Freunden und Nachbarn sowie der Hilfe einiger Landwirte sammelte sie alle Säcke ein, um sie vor dem Gemeindehaus aufzustapeln. Auch Bürgermeister Rudolf Kühn war sofort dabei: „Es ist nicht selbstverständlich, dass sich ein junges Mädchen so sehr engagiert“, sagt er bewundernd.

„Ich habe alle dazu aufgefordert, so wenig Plastikprodukte zu kaufen wie nur möglich“

Vanessa machte sichtbar, wie viel Plastik sich allein in einem Dorf mit 500 Einwohnern anhäuft. „Ich habe dann alle dazu aufgefordert, so wenig Plastikprodukte zu kaufen wie nur möglich“, sagt das Mädchen. Einen Monat später wiederholte sie jetzt die Aktion, wieder schwärmten alle Kinder aus und sammelten die Gelben Säcke ein. „Ein bisschen kleiner ist der Haufen geworden“, sagt Vanessa stolz zu den auf einen Blick-Reportern, die bei der zweiten Aktion dabei war.en Trotzdem gebe es noch viel zu tun.

Warum Vanessas junges Herz so sehr für ihre Umwelt schlägt, können sich die Eltern auch nicht erklären. Mutter Susanne und Vater Andreas sind Versicherungsmakler.

Das Wohlergehen der Natur liegt ihnen am Herzen, aber ein großes Thema war es bei ihrer Erziehung nie. „Unsere Tochter verzichtet sogar auf Süßigkeiten, weil alles in Plastik verpackt ist“, fügt Papa Bosse hinzu. „Sie würde uns auch gerne noch das Auto verbieten.“

Vor allem sind es die Tiere, die Vanessa leid tun. „Delfine und Schildkröten fressen das Plastik, weil sie es für Futter halten.“ Tatsächlich sterben jedes Jahr etwa 100 000 Meeressäuger und eine Million Vögel qualvoll an den Folgen von Kunststoff.

Gemeinsam mit ihrer Mutter stellt Umwelt-Heldin Vanessa mittlerweile Spülmittel und Seife selbst her. In ihrem Kinderzimmer liegt außerdem ein handgeschriebener Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Ohne einen ersten guten Schritt gibt es auch kein gutes Ende“, schreibt Vanessa darin. „Ich weiß, dass Angela Merkel viel zu tun hat, aber unsere Erde ist wichtig und viele Menschen denken nur an sich selbst.“