Dieser Mann rettete Frau und Kind vor dem Tod

Als andere das Drama am Kanal nur begafften, zögerte Dieter Kienle (58) keine Sekunde und sprang ins Wasser

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Es war eigentlich ein Traumtag: Dieter Kienle war gerade erst mit seiner Frau Claudia aus den Flitterwochen in Mexiko nach Rosenheim zurückgekommen. Als er am Montagvormittag vom Einkaufen nach Hause fuhr, war der 58-Jährige glücklich und entspannt. Doch plötzlich stoppte ihn auf der Brücke über dem Mangfallkanal ein Mann, er fuchtelte wild mit den Händen. Und zeigte aufs Wasser, wo eine ältere Frau um Hilfe schrie und etwas weiter weg ein Kinderwagen mit den Rädern nach oben trieb.

Dieter Kienle, Einrichtungsberater und sportlicher Hobbyradfahrer, reagierte sofort. Er dachte keine Sekunde darüber nach, dass eine Rettungsaktion auch für ihn lebensgefährlich werden könnte. Oft schlagen Ertrinkende wild um sich und ziehen ihre Helfer mit unter Wasser.

Während Gaffer am Ufer nur ihrer Sensationslust frönten, sprang Dieter Kienle in den Kanal und holte die Frau an Land. Dann eilte er zurück zum Kinderwagen. „Ich konnte nicht sehen, ob da ein Kind drin ist. Ich konnte nicht stehen und hatte Mühe, den Wagen umzudrehen.“ Jetzt sah er den Kinderkopf und dachte:

„Es ist zu spät.“ Der zwei Jahre alte Junge atmete nicht. Eine lange Schrecksekunde für Dieter Kienle – bis der Kleine hustete und zu schreien begann.

„Das war ein wundervolles Gefühl“, sagt der Oberbayer. „Ich weiß nicht, wie ich mich heute fühlen würde, hätte ich ein totes Kind aus dem Wasser ziehen müssen.“

Der Kinderwagen war wohl durch einen Zufall die Böschung heruntergerollt.

Doch das Einzige, was zählt, ist, dass Oma und Enkelkind leben, so Dieter Kienle. Eines aber wird der Lebensretter wohl nie verstehen: warum keiner der Zuschauer ihm im Wasser geholfen hat. So lag der ganze Druck allein auf ihm. Aber der 58-Jährige ist keiner, der sich beklagt. Er sagt: „Hätte ich nicht gehandelt, hätte ich keine ruhige Minute mehr im Leben.“