Ausbildung statt Armut: Benjamin schafft mit „Skill Up!“ Zukunft für Uganda

Als er 12 war, war seine Mutter an Aids gestorben, seinen Vater kannte er nicht, die Schule hatte er verlassen. Heute ist er Leiter eines großen Ausbildungsprogramms. 

Auch Helden müssen manchmal weinen – wie Benjamin Kennedy. Der langjährige Mitarbeiter der Welthungerhilfe, der von auf einen Blick mit dem Redaktionspreis als „Held des Alltags 2018“ ausgezeichnet wird, hat die Härten des Lebens selbst erfahren und ist nicht leicht zu erschüttern. Aber an diesem sonnigen Tag auf einer kleinen Farm in Uganda wird der heute 35-Jährige von Emotionen übermannt.

Gerade berichtet der junge Farmer Patrick Muyonjo, wie er mit der Welthungerhilfe den Weg aus bitterer Armut geschafft hat. Benjamin Kennedy übersetzt routiniert für die deutsche Besuchergruppe um Verlegerin Gudrun Bauer (Bauer Media Group, in der auf einen Blick erscheint). Doch als Patrick vom frühen Tod seiner Eltern und seiner trostlosen Kindheit als Vollwaise erzählt, versagt dem Dolmetscher die Stimme. Benjamin wendet sich ab, um seine Tränen zu verbergen – aufgewühlt von der Erinnerung an seine Vergangenheit. Er war elf, als seine Mutter an Aids starb. Seinen Vater hat er nie gekannt. Als Waise kam er bei verarmten Verwandten unter; ohne Chance auf einen Schulbesuch, auf eine Zukunft – bis Carol Adams in sein Leben trat.

Die US-Amerikanerin leitete damals ein Heim für Aids-Waisen in Fort Portal im Südwesten von Uganda; ein Projekt zur Förderung arbeitsloser und entwurzelter Jugendlicher. Carol Adams nahm den schmalen Jungen unter ihre Fittiche und ermöglichte ihm Schulabschluss und Studium. Benjamin arbeitete fortan zunächst im Management, in Naturschutz und Tourismus. Nebenbei half er Carol Adams ehrenamtlich bei der Leitung ihres Projekts.

Uganda gehört zu den schönsten Ländern Afrikas – besonders im Südwesten um das Provinzstädtchen Fort Portal, wo Benjamin geboren wurde. Teeplantagen überziehen die Hügel, Gemüse und tropisches Obst gedeihen auf fruchtbaren Böden. Die nahen Nationalparks an den Großen Seen sind Wildtierparadiese. An den Hängen der Virunga-Vulkane leben die seltenen Berggorillas.

Aber das Bild vom Garten Eden ist trügerisch. Uganda leidet schwer an seiner Vergangenheit. Terror und Bürgerkrieg haben das Land ruiniert. Zahllose Kinder verloren ihre Eltern, ihren Halt. Deshalb startete Theo Riedke von der Welthungerhilfe vor zehn Jahren zusammen mit Carol Adams in Fort Portal ein neues Projekt, das einigen Hundert Aids-Waisen eine Chance auf ein besseres Leben geben sollte: mit Betreuung, Schulbesuch und Berufsausbildung – großzügig finanziell unterstützt von Gudrun Bauer.

Dabei traf Theo Riedke auf Benjamin Kennedy. Der Deutsche war beeindruckt vom Organisationstalent und Arbeitseifer des jungen Uganders und holte ihn als seinen Assistenten zur Welthungerhilfe. Zusammen verwirklichten sie Theo Riedkes großen Traum: das Ausbildungszentrum „Amaani (vorwärts) Rwenzori“, benannt nach dem nahen Rwenzori-Gebirge. Am Rand von Fort Portal entstand ein Campus, mit Unterrichtsräumen, Lehrwerkstätten und Büros. „Amaani Rwenzori“ ist Teil der großen Ausbildungsoffensive „Skill Up!“ von Gudrun Bauer. Das Millionenprojekt will arbeitslosen Jugendlichen in vier Entwicklungsländern eine Existenz in der eigenen Heimat ermöglichen. Bei „Amaani Rwenzori“ haben bereits 171 junge Menschen eine Ausbildung in zehn verschiedenen Berufen mit einem staatlich anerkannten Zertifikat abgeschlossen; fast alle haben ihr Auskommen gefunden.

Inzwischen hat Benjamin Kennedy sogar die Leitung von „Skill Up!“ Uganda übernommen. Theo Riedke, nun im Ruhestand, weiß sein Lebenswerk in guten Händen. „Uganda braucht diese Hilfe mehr denn je“, sagt er. „Die Hälfte der rasch wachsenden Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre – und vielfach ohne jede Ausbildung!“

Benjamin Kennedy weiß, wie es sich anfühlt, keine Perspektive zu haben. „Ich habe eine Chance bekommen“, erklärt er seine Motivation. „Jetzt will ich anderen jungen Menschen eine Chance geben!“

Bitte helfen Sie mit!

Skill Up!“ heißt: Qualifiziere dich! Und das können 8000 junge Frauen und Männer in Uganda, Kenia, Sierra Leone und Tadschikistan. Gudrun Bauer (Bauer Media Group) hat die Ausbildungs-Initiative für Jugendliche 2015 angeschoben – in vier Entwicklungsländern mit besonders hoher Jugendarbeitslosigkeit. Das Projekt hat eine Laufzeit von fünf Jahren, finanziert von der Hamburger Verlegerin, ausgeführt von der Welthungerhilfe. (Infos: www.bauercharity.de)